Probleme mit dem Langstreckenjet 787 «Dreamliner» setzen den kriselnden US-Flugzeugriesen Boeing weiter unter Druck.

Der Airbus-Rivale räumte am Dienstag ein, dass Inspektionen aufgrund möglicher Produktionsmängel an dem Modell für Verzögerungen bei den Auslieferungen sorgen. Boeing wolle die Flugzeuge zunächst gründlich untersuchen, teilte das Unternehmen mit. Die Aktie reagierte mit Kursverlusten.

Das «Wall Street Journal» hatte am Vortag unter Berufung auf Regierungsunterlagen und eingeweihte Kreise über Untersuchungen der US-Luftfahrtaufsicht FAA aufgrund womöglicher jahrelanger Produktionspannen und Kontrolldefizite berichtet. Die Behörde bestätigte auf Nachfrage Ermittlungen wegen Fertigungsmängeln bei bestimmten «Dreamliner»-Jets. Es sei jedoch zu früh, um über mögliche Konsequenzen hinsichtlich der Flugtauglichkeit zu spekulieren.

Boeing steckt wegen des nach zwei Abstürzen weltweit mit Startverboten belegten Flugzeugmodells 737 Max ohnehin schon tief in der Krise. Auch Berichte über Mängel bei der 787-Produktion gibt es schon länger. Die «New York Times» schrieb bereits 2019, dass Boeing Hinweise auf Sicherheitsrisiken erhalten, diese jedoch teilweise ignoriert habe. Die Zeitung berief sich dabei auf Hunderte Seiten an internen E-Mails, Dokumente des Unternehmens und Unterlagen von Behörden sowie Interviews mit mehr als einem Dutzend Mitarbeitern.

Für Boeing sind die «Dreamliner»-Probleme bitter, da der Hersteller nach dem 737-Max-Debakel Vertrauen zurückgewinnen will und die 787 eine wichtige Ertragsstütze ist. Hinzu kommt, dass Boeing auch wegen der Corona-Pandemie, die den internationalen Luftverkehr zeitweise fast zum Erliegen und viele Fluggesellschaften in Finanznot gebracht hat, schon länger unter vielen Auftragsstornierungen ächzt. Auch im August wurden abermals mehr Bestellungen zurückgezogen als neue hinzukamen, wie Boeings monatliche Statistik am Dienstag zeigte.

dpa