Hat die Lufthansa ein Problem mit Anti-Semitismus? Die Fluggesellschaft verspricht Aufklärung nach dem pauschalen Flug-Ausschluss einer Gruppe orthodoxer Juden.

Nach dem Ausschluss einer jüdischen Reisegruppe von einem Flug nach Budapest hat sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr auch beim Zentralrat der Juden in Deutschland entschuldigt. Spohr habe am Donnerstag mit dem Präsidenten Josef Schuster telefoniert und diesen persönlich um Entschuldigung gebeten, bestätigte das Unternehmen am Freitag. Über weitere Inhalte des Gesprächs sei Stillschweigen vereinbart worden. Zuerst hatte «Der Spiegel» berichtet.

Ergebnisse der internen Untersuchung des Vorgangs vom 4. Mai dieses Jahres lagen noch nicht vor, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. An dem Tag war eine aus New York kommende Gruppe orthodoxer Juden in Frankfurt pauschal vom Weiterflug nach Budapest ausgeschlossen worden, nachdem einige Passagiere sich auf dem Atlantikflug geweigert hatten, Schutzmasken zu tragen.

Im Nachhinein hatte Lufthansa bedauert, «dass der größeren Gruppe die Weiterreise nicht ermöglicht wurde, anstatt diese Entscheidung auf einzelne Personen zu beschränken». Spohr hatte zunächst bei der Jüdischen Gemeinde Berlin um Entschuldigung gebeten und in einer Mitarbeiterbotschaft erklärt: «Antisemitismus hat bei Lufthansa keinen Platz. Das Vorgehen am vergangenen Mittwoch hätte so nicht passieren dürfen und muss jetzt lückenlos aufgeklärt werden.»

Die Bundespolizei bestätigte am Freitag, dass ihre Beamten in der Situation von Lufthansa hinzugezogen wurden und vor Ort waren. Man habe aber keinerlei polizeiliche Maßnahmen durchgeführt, sagte ein Polizeisprecher. Die Entscheidung über die Weiterflüge habe allein bei der Fluggesellschaft gelegen.

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix
Klein, lobte die Lufthansa für ihre schnelle Entschuldigung. Er selbst sei der Bitte des Unternehmens um Unterstützung und
Beratung in dem Fall nachgekommen. «Ich habe
bereits einige Vorschläge gemacht, wie Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter für das Thema Antisemitismus sensibilisiert werden
können. Das Unternehmen zeigte sich dafür sehr
aufgeschlossen», sagte Klein der «Funke Mediengruppe».

dpa ceb yyhe n1 htz