Marko Hollerer fliegt Zeppelin am Bodensee – als einer von nur sechs Piloten in Deutschland. Wie kommt man zu so einem ungewöhnlichen Beruf?

Eigentlich war Marko Hollerer dabei, sich als Pilot bei einer Airline zu bewerben. Als er im Rahmen des Auswahlverfahrens am Flughafen in Friedrichshafen am Bodensee aber einen Zeppelin sieht, wird er neugierig. «Das hat mich einfach interessiert», sagt der 35-Jährige. «Ich habe im Internet recherchiert, mich damit beschäftigt und kam zu dem Entschluss, mich zu bewerben.» Mit Erfolg: Heute arbeitet Hollerer mit fünf weiteren Kollegen für die Deutsche Zeppelin-Reederei als Zeppelin-Pilot.

Voraussetzung für die Ausbildung seien unter anderem eine Berufspiloten-Lizenz und genügend Flugstunden, sagt Hollerer. Was reizt ihn an den Luftschiffen? «Es ist jeder Tag ein bisschen anders gestaltet», sagt der Pilot. «Beim Linienflug fliegt man halt immer von A nach B. Beim Zeppelin haben wir viele verschiedene Routen.» Vieles sei auch noch richtiges Handwerk: «Bei Langstrecken fliegt ja zu 90 Prozent der Autopilot. Das hat man beim Zeppelin nicht – da muss man wirklich alles manuell machen.» Zudem fliege man genau in der Atmosphärenschicht, in der auch das Wetter stattfinde. «Das macht es noch spannender.»

Hinzu kommen wissenschaftliche Expeditionen, für die Zeppeline unterwegs sind. Denn die Luftschiffe befördern nicht nur Touristen und andere Passagiere über die Bodenseeregion. In den vergangenen Jahren waren sie mehrfach auch für Forschungen unterwegs, unter anderem für die Helmholtz-Gesellschaft. Hollerer flog beispielsweise im Frühjahr für das dazu gehörende Forschungszentrums Jülich ins Rheinland. Bei der Studie ging es darum, die Folgen der Corona-Pandemie auf die Luftqualität zu untersuchen. Erste Ergebnisse erwarten die Wissenschaftler um die Klimaforscherin Astrid Kiendler-Scharr in den nächsten Wochen.

Warum nutzt man dafür einen Zeppelin? «Unser Interesse gilt primär den Luftqualitäts- und Klimafragen aus der luft-chemischen Perspektive», sagt Kiendler-Scharr. Es gehe vor allem um die Frage, wie Emissionen in der Luft umgesetzt würden. «Und ein Großteil dieses Prozesses findet in den unteren Schichten statt. Wenn man da Messungen machen möchte, muss man das entweder am Boden machen oder man stellt sich auf einen Berg oder einen hohen Turm.» Allerdings seien die Untersuchungen dann lokal begrenzt.

Wolle man größere Gebiete umfassen, seien Zeppeline eine gute Alternative, auch weil sie eine hohe Nutzlast tragen könnten. Die Luftschiffe bewegten sich sehr leicht mit den Luftmassen, so dass man die Beobachtungen gut durchführen könne. Ein Hubschrauber dagegen wirble beispielsweise die Luft durch, zudem bringe er viel Lärm mit sich.

Für Hollerer und seine Kollegen sind die Forschungsflüge eine besondere Abwechslung. An einem gewöhnlichen Arbeitstag herrscht dagegen etwas mehr Routine, sagt der festangestellte Pilot bei Zeppelin. Während der Saison fliegt Hollerer in einer Schicht im Durchschnitt etwa sechs Flüge.

Aber hat er eigentlich auch Chancen außerhalb von Zeppelin – in anderen Bereichen des Luftverkehrs? «Das ist schwierig in der Branche», sagt der 35-Jährige. «Ich habe schon auch noch eine Flugzeuglizenz. Aber die Flugerfahrung vom Zeppelin spielt jetzt nicht so die Rolle zum Beispiel für einen Jet.» Auch Nachfragen bei Piloten-Gewerkschaften bringen dazu keine Klarheit – zu klein ist die Nische der Zeppelin-Piloten. Dementsprechend gering ist aber auch die Fluktuation in der Reederei, wie ein Sprecher des Unternehmens sagt. Wer die Ausbildung bei Zeppelin macht, bleibe meistens auch dort.

Die wenigsten Luftschiffe weltweit sind übrigens wirklich Zeppeline: Der Name ist markenrechtlich geschützt für die Zeppelin Luftschifftechnik in Friedrichshafen. Am Bodensee fliegen moderne Zeppeline seit 2001 wieder Passagiere.

dpa