Elbphilharmonie, Hauptstadtflughafen und BND-Zentrale: Probleme bei ehrgeizigen Großprojekten kratzen hart am Image der Ingenieurnation Deutschland. Die Bauindustrie dringt auf eine bessere Steuerung. Berlin (dpa) – Die deutsche Bauindustrie ist besorgt wegen der Probleme bei mehreren öffentlichen Großprojekten und macht sich für eine bessere Steuerung stark. «Es ist Gefahr im Verzug», sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands […]

Elbphilharmonie, Hauptstadtflughafen und BND-Zentrale: Probleme bei ehrgeizigen Großprojekten kratzen hart am Image der Ingenieurnation Deutschland. Die Bauindustrie dringt auf eine bessere Steuerung.

Berlin (dpa) – Die deutsche Bauindustrie ist besorgt wegen der Probleme bei mehreren öffentlichen Großprojekten und macht sich für eine bessere Steuerung stark. «Es ist Gefahr im Verzug», sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Michael Knipper, der Nachrichtenagentur dpa. Um den weltweit immer noch hervorragenden Ruf der deutschen Ingenieurbaukunst zu sichern, müssten Politik und Auftraggeber das Überschreiten von Baukosten und Zeitplänen bei großen Vorhaben in den Griff bekommen. Erforderlich seien etwa eine engere Abstimmung zwischen Planen und Bauen, bessere Vorbereitungen und ein verstärkter Einsatz von Generalunternehmen.

Massive Schwierigkeiten gibt es etwa beim Bau der Elbphilharmonie in Hamburg und dem künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg, dessen Aufsichtsrat an diesem Donnerstag zusammenkommt.

«Wenn wir nicht aufpassen, dann wird die deutsche Bauindustrie bei hochkomplexen Projekten Kernkompetenz verlieren», sagte Knipper. «Um das zu verhindern, brauchen wir Politik und Auftraggeber als Partner.» Auch im Heimatmarkt müssten Großvorhaben umgesetzt werden. «Nur wenn wir einen stetigen Projektfluss haben, haben Firmen auch Perspektiven, das Top-Personal im Land zu halten und den Weltruf, den der deutsche Bauingenieur nach wie vor genießt, sicherzustellen.»

Zweifel an der Realisierbarkeit trügen dazu bei, dass hierzulande weniger Großprojekte angepackt würden als in anderen europäischen Staaten, kritisiert die Bauindustrie. Nach Verbandsangaben gibt es bundesweit einen Investitionsstau von gut 70 größeren Projekten im Volumen von knapp 48 Milliarden Euro. Blockiert seien sie auch wegen fehlenden Geldes, Rechtsstreitigkeiten oder Anwohnerprotesten.

Um Termin- und Budgetüberschreitungen zu verhindern, sollte mehr in die Sorgfalt von Planungen investiert werden. «Wenn man bei der Planungskompetenz spart, dann rächt sich das bitter in der Bauphase», warnte Knipper. Ziehen sich Projekte etwa wegen Bürgereinsprüchen über mehrere Jahre hin, sollten damit verbundene Kostensteigerungen transparent der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Streitereien an der Schnittstelle zwischen Planung und Bauausführung seien zu vermeiden, wenn Baufirmen schon in der Planungsphase einbezogen würden.

Zu Verzögerungen führe oft, dass Vertreter von Auftraggebern nicht genug Entscheidungskompetenz für kurzfristige Änderungen hätten. Wenn ein öffentlicher Bauherr das Zusammenspiel vieler Teilaufträge nicht selbst steuern kann, sollten Generalunternehmen damit betraut werden. «Um endlich von der Vergabe an den Billigsten wegzukommen, brauchen wir bei der Vergabe Qualitätskriterien, damit auch der Zweit- oder Drittgünstigste eine reelle Chance bekommt», forderte Knipper.