Ryanair streicht im Winter 2026 rund 700.000 Sitze in Deutschland und schließt die Basis am BER. Welche Strecken wegfallen und wo die Airline wächst.

Ryanair zieht sich im kommenden Winter spürbar aus Deutschland zurück. Am härtesten trifft es den Hauptstadtflughafen BER, wo die irische Billigfluggesellschaft ihre Basis schließt. Andere Standorte profitieren dagegen.

Ryanair hat am 8. Oktober seinen Winterflugplan 2026 für Deutschland vorgelegt. Im Vergleich zum Vorjahreswinter bietet die Airline demnach rund 700.000 Sitzplätze weniger an, ein Minus von etwa zehn Prozent. Die Kürzungen konzentrieren sich auf Berlin und Hamburg. Als Begründung nennt das Unternehmen die aus seiner Sicht zu hohen Standortkosten in Deutschland: Luftverkehrsteuer, Flugsicherungs- und Sicherheitsgebühren sowie Flughafenentgelte.

Ryanair: Sieben Flugzeuge verlassen den BER

Den größten Einschnitt erlebt der Flughafen Berlin Brandenburg. Zum 24. Oktober löst Ryanair dort seine Basis mit sieben stationierten Flugzeugen auf. Die Maschinen sollen an Flughäfen in anderen EU-Ländern verlegt werden, die nach Darstellung der Airline günstigere Bedingungen bieten. Die Ryanair-Kapazität in Berlin halbiert sich damit im Winter.

Zwölf Verbindungen entfallen komplett: Bologna, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, Marseille, Palermo, Pisa, Reggio Calabria, Tallinn, Thessaloniki, Triest und Vilnius. Auf den übrigen Strecken ab Berlin werden die Frequenzen ausgedünnt. Ganz verschwinden wird Ryanair aus der Hauptstadt allerdings nicht.

Ryanair verbindet die Entscheidung mit scharfer Kritik am Flughafenbetreiber. Nach Angaben der Airline sind die Entgelte am BER seit 2019 um mehr als 50 Prozent gestiegen, während das Passagieraufkommen von 36 Millionen im Jahr 2019 auf 26 Millionen im Jahr 2025 zurückging. Ein direkter Zusammenhang zwischen beiden Entwicklungen ist eine Lesart des Unternehmens.

Winterflugplan 2026: Auch Hamburg betroffen, Wachstum im Süden und Westen

Auch in Hamburg fährt Ryanair das Angebot zurück, mit einem Minus von rund fünf Prozent jedoch deutlich moderater. An anderen deutschen Standorten wächst die Airline dagegen: In Memmingen steigt die Kapazität um zwölf Prozent, in Köln/Bonn um zehn Prozent. Beide Flughäfen bemühen sich laut Ryanair aktiv um niedrigere Kosten. Neu im Winterprogramm sind zudem Friedrichshafen und Saarbrücken, wo die Airline erstmals auch in der kalten Jahreszeit fliegt.

Das Muster ist nicht neu: Ryanair verlagert seit Jahren Kapazitäten gezielt an Flughäfen, die mit niedrigeren Entgelten und Anreizprogrammen um Airlines werben. Großflughäfen mit höherer Kostenstruktur geraten dabei regelmäßig ins Hintertreffen.

Ryanair fordert Abschaffung der Luftverkehrsteuer

Politisch adressiert Ryanair die Bundesregierung und den Bundesverkehrsminister Steffen Bilger. Die Airline fordert, die Luftverkehrsteuer abzuschaffen und die staatlich beeinflussten Zugangskosten, also Flugsicherungs- und Sicherheitsgebühren sowie Flughafenentgelte, zu halbieren.

Ryanair-CEO Eddie Wilson bezeichnet Deutschland als den großen europäischen Markt mit der schwächsten Erholung seit der Pandemie. Für Passagiere in Berlin erwartet er weniger Auswahl, schlechtere Anbindung und höhere Ticketpreise. Gleichzeitig stellt Wilson in Aussicht, dass Ryanair in Deutschland wieder Flugzeuge stationieren und Strecken aufnehmen werde, sofern die Politik die Kosten senkt.

Einordnung: Druckmittel im Kostenstreit

Die Ankündigung reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Schritte. Bereits in den vergangenen Flugplanperioden hatte Ryanair Angebote in Deutschland reduziert und dies mit der Steuer- und Gebührenlast begründet. Die Kritik an den Standortkosten teilen auch andere Airlines und Branchenverbände. Zugleich nutzt Ryanair Kapazitätsabzüge erkennbar als Hebel, um Druck auf Politik und Flughäfen aufzubauen. Ob die Bundesregierung darauf reagiert, bleibt abzuwarten. Für den Winter 2026 sind die Entscheidungen in Berlin jedenfalls gefallen.