Die US-amerikanischen Airlines bieten in diesem Sommer eine Million Sitzplätze weniger von und nach Mexiko an als noch im Sommer 2025. Warum verlieren United, Delta und Co. ihr Interesse am Nachbarland?

Schnell mal übers Wochenende nach Cancun? Zwei erholsame Wochen in Acapulco? Das ließen sich US-Bürger zuletzt gerne gefallen. Entsprechend lukrativ war der mexikanische Markt für die Fluggesellschaften der USA. Seit einiger Zeit jedoch vollzieht sich laut OAG auf einem der größten internationalen Märkte ein struktureller Wandel.

Zum einen beobachtet der Luftfahrt-Datenanbieter, dass die Stars-and-Stripes-Carrier ihren strategischen Blick auf andere Märkte richten, zum anderen verändert sich der Wettbewerb direkt vor ihren Augen. Grund genug, einmal auf die Ursachen zu schauen.

USA-Mexiko: Ein Markt im strukturellen Wandel

Das Thema Flugzeugauslieferungen spielt in der Entwicklung eine wichtige Rolle, sagt die OAG. Mehrere mexikanische Billigfluggesellschaften hätten neue Flugzeuge en gros in Empfang genommen und würden einen Teil davon in Richtung USA einsetzen. Allen voran Volaris, um nur ein Beispiel zu nennen.

Die Airline hat seit 2023 ihre Flotte um 31 Flugzeuge erweitert. Und obwohl auch Volaris von den Problemen mit den Pratt & Whitney-Triebwerken betroffen ist, konnte sie ihre Kapazität in Richtung USA in den vergangenen beiden Sommersaisons um 25 Prozent steigern. Insgesamt haben in Mexiko ansässige Carrier nun auf den grenzüberschreitenden Verbindungen ins Nachbarland einen Marktanteil von 40 Prozent. Im Sommer 2024 waren’s noch 34 Prozent.

Warum kappen US-Carrier Kapazitäten nach Mexiko

Den mexikanischen Fluggesellschaften spielt zudem der Kapazitätsabbau seitens der US-amerikanischen Airlines in die Karten; insgesamt werden diese in ihrer Gesamtheit in diesem Sommer eine Million Sitzplätze weniger anbieten als im Sommer 2025. Gründe dafür sind laut OAG der Zusammenbruch von Spirit Airlines sowie Kapazitätskürzungen bei allen großen US-Anbietern.

Die politischen Spannungen zwischen den beiden Ländern plus das aktuell geltende Luftverkehrsabkommen stellen für einige Fluggesellschaften zwar ein Problem dar, waren jedoch nicht von so ausreichender Tragweite, um als Grund für die Minusrechnung genannt zu werden.

Insgesamt hat American Airlines im Vergleich zum Vorjahr fast 170.000 Sitzplätze nach Mexiko gestrichen. Alaska Airlines hat ihre Kapazitäten in den zurückliegenden zwölf Monaten sogar um 38 Prozent (240.000 Sitzplätze) gekürzt.

Ist die Entwicklung ein unumkehrbarer Trend?

Die OAG betont: „Kapazitäten unterliegen stets Schwankungen, selbst in den ausgereiftesten Märkten. Die jüngsten Veränderungen auf dem Markt zwischen den USA und Mexiko scheinen jedoch mehr als nur eine kurzfristige Entwicklung zu sein und könnten auf tiefer liegende Faktoren hindeuten“, heißt es in der Mitteilung des Datenanbieters.

Dieser vermutet, dass eine gewisse Ermüdung des Marktes bei US-Bürgern, die Mexiko besuchen, eine Rolle spielen könnte. Dazu komme die derzeitige Stärke des mexikanischen Pesos, der im vergangenen Jahr um acht Prozent aufgewertet worden sei.

Doch: „Da die Fluggesellschaften beim Wachstum zunehmend vorsichtig agieren, ist es unwahrscheinlich, dass sich die Kapazitäten auf den Strecken zwischen den USA und Mexiko im kommenden Sommer wieder auf das vorherige Niveau erholen werden.“