Etihad: erfolgreich ohne Allianz
James Hogan, CEO von Etihad Airways, die mit 29 Prozent größter Einzelaktionär bei Air Berlin ist, im Gespräch mit dem Aeroscope-Luftfahrtexperten Kurt Hofmann über die Zukunft von Air Berlin und die weitere Strategie der Fluglinie aus Abu Dhabi. Air Berlin verzeichnet nach wie vor enorme Verluste. Kann sie diese bewältigen? Hogan: Unser Bestreben ist es, […]
James Hogan, CEO von Etihad Airways, die mit 29 Prozent größter Einzelaktionär bei Air Berlin ist, im Gespräch mit dem Aeroscope-Luftfahrtexperten Kurt Hofmann über die Zukunft von Air Berlin und die weitere Strategie der Fluglinie aus Abu Dhabi.
Air Berlin verzeichnet nach wie vor enorme Verluste. Kann sie diese bewältigen?
Hogan: Unser Bestreben ist es, Air Berlins Mission zu unterstützen. Wir sind verantwortlich für etwa 10.000 Mitarbeiter, die Routen von Air Berlin sind ein wichtiger Teil unseres Streckennetzes. Und die Fluglinie hat in den letzten zwölf Monaten sehr starke Verbesserungen erreicht, auch auf der Kostenseite. Das Unternehmen wird nachhaltig in die Profitabilitätszone zurückkehren, unseren Anteil von 29 Prozent an Air Berlin können wir aber aus rechtlichen Gründen nicht erhöhen.
Wie verfolgen Sie aus Abu Dhabi die Entwicklung der österreichischen Tochter Fly Niki? Welche Daseinsberechtigung hat diese bei Air Berlin in der Zukunft?
Hogan: Die Zukunft von Fly Niki liegt in den Händen von Wolfgang Prock Schauer (CEO der Air Berlin, Anm.). Wolfgang ist ein ausgewiesener und charismatischer Manager und hat eine enorme Erfahrung im Bereich von Streckennetzen. Wir unterstützen ihn, wo immer es notwendig ist. Ich habe diesbezüglich volles Vertrauen zu ihm. Wir haben mit Air Berlin ein zehnjähriges kommerzielles Abkommen, und das entwickelt sich sehr erfolgreich. Aber ich muss sagen, Deutschland durchlebt eine Rezession, und Europa ist generell ein schwieriger Markt. Aber eine Fluglinie wie Air Berlin ist wichtig für die deutsche Wirtschaft.
Was sind die Stärken der Etihad?
Hogan: Wir können auf organisches Wachstum setzen, haben eine Flotte von rund 80 Flugzeugen und werden in den nächsten sieben Jahren 90 weitere Jets erhalten. Zudem verfügen wir über 40 Code Share Partnerschaften mit Fluglinien aus allen Allianzen. Nicht Mitglied in einer Allianz zu sein, gibt uns mehr Flexibilität. Wir nutzen ein anderes Modell in der Luftfahrt, aber das ist für uns perfekt. Sehen Sie sich unsere Partnerschaft mit der indischen Jet Airways an: Wenn wir alle Genehmigungen erlangt haben, dann haben wir Zugang zu 26 Städten in Indien. Ich möchte auch gerne sehen, dass Air Berlin direkte Flüge von Deutschland nach Indien anbietet. Zudem haben wir einige strategische Beteiligungen – etwa an Aer Lingus, Virgin Australia, Air Seychelles, eben Air Berlin und Jet Airways sowie an JAT aus Serbien. Mit Ausnahme von Dublin, dem Hub von Aer Lingus, bedienen wir alle Drehscheiben unserer Partner.
Und die Passagierströme über Abu Dhabi, Dubai und Doha werden weiter wachsen?
Hogan: Absolut. Was zum Beispiel Menschen in Europa immer wieder vergessen ist etwa der enorm große Markt Indien, der erst zu einem geringen Teil entwickelt ist. Mit der heutigen Technologie kann Etihad jeden Punkt der Welt nonstop erreichen. Es ist leider so, aber Europa wird immer älter. Noch etwas zum Vorwurf, dass wir hier in Abu Dhabi alles umsonst bekommen: Unsere Regierung hat uns klipp und klar gesagt, dass Etihad Geld verdienen muss, was wir auch tun. Alle drei Fluglinien der Golfregion (Qatar Airways, Emirates, Anm.) haben unterschiedliche Strategien, werden aber wachsen. In fünf Jahren werden wir 150 Flugzeuge betreiben, Ende 2014 unsere erste A380 erhalten.
Was sind die wichtigsten Märkte von Etihad?
Hogan: Wir können diese gut ausbalancieren. Wohl am Wichtigsten für Etihad ist der Verkehrsstrom aus Australien über Südostasien direkt in die Golfregion. Dann folgen der chinesische Markt, der amerikanische und der europäische. Unser Fokus ist weiterhin auf Service gerichtet, auf das Produkt und die Profitabilität. Wir sind noch nicht größer geworden als unseren Nachbarn (Emirates &.Co., Anm.). Unsere Segmentierung jedoch ist im Vergleich zu Fluglinien, die nur transatlantisch operieren, viel größer.
Etihad bekommt keine Subventionen?
Hogan: Wir sind nicht subventioniert. Wir haben Etihad von einem weißen Blatt Papier aus gegründet. Wir zahlen dieselben Gehälter wie vergleichbare Airlines anderswo, bei uns gibt es aber zum Beispiel keine Seniorität bei den Piloten. Und wir sind viel produktiver.
Könnten eines Tages die Emirs von Dubai und Abu Dhabi die beiden Airlines Emirates und Etihad fusionieren?
Hogan: Unsere Regierung hat eine klare Strategie: Wir sind faire Konkurrenten. Die größte Herausforderung ist die politische Stabilität in der arabischen Region. Wenn mehr Länder in Konflikte kommen, wie etwa der Iran, dann wird Treibstoff nochmal teurer. Mein Job ist es, Etihad richtig zu navigieren, hohe Auslastungen, gute Erträge und profitable Ergebnisse zu erzielen.
Sind weitere Flugzeugbestellungen zu erwarten?
Hogan: Wir sind mitten in der Planung für die Bestellung neuer Flugzeuge für den Zeitraum ab den kommenden sieben Jahren. Wir reden derzeit mit Boeing und Airbus für die Zeit nach 2020 und darüber hinaus. Und wir reden mit den Herstellern als eine Gruppe, die aus mehreren Fluglinien besteht. Alles ist dabei auf der Agenda.
Herr Hogan, vielen Dank für das Gespräch.