Seine Heimat ist die Welt, seine Sehnsucht ist die Ferne – und sein Arbeitsplatz sind fliegende Apartments, die täglich um den Globus kreisen: Michael Borsch kümmert sich darum, dass es seinen Gästen an nichts fehlt. Als deren persönlicher Butler arbeitet er an Bord der A380 der Golf-Airline Etihad – und zwar in deren einmaliger Luxusklasse namens „The Residence“. 
Von Abu Dhabi aus bedient Etihad mit dem größten Passagierflugzeug der Welt London, Paris, New York, Sydney und vom 1. Juli an auch Seoul. In dem Riesenvogel ist Platz.

Viel Platz sogar. Warum diesen also nicht für zahlungskräftige Kunden nutzen und dort eigens kleine Apartments einbauen, in denen die Gäste mit perfektem Rundum-Service verwöhnt werden? Etihad baute seinen Passagieren eine Art Wunderland auf 10 000 Metern Höhe, in dem den Gästen wirklich jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird. 
Mittlerweile ist die luxuriöseste aller Klassen in einem Linienflugzeug zur Legende geworden. In den zehn A380-Maschinen der Fluggesellschaft findet sich vorne links jeweils eine Suite mit drei Zimmern, in der über den Wolken bis zu zwei gemeinsam reisende Gäste den Flug mit jedem nur erdenklichen Service verbringen können.

Trockene Hitze am Golf

Es gibt ein Wohnzimmer mit Zweiersofa und Esstisch sowie 32-Zoll-Flatscreen-TV, dazu ein Schlafzimmer mit zwei Meter langem Doppelbett und 27-Zoll-Fernseher, außerdem ein privates Bad mit Dusche. Im eleganten, luxuriösen Erscheinungsbild dominieren sandfarbene, braune und beige Töne, die an die Farben der Wüste erinnern. 
Abgerundet wird der Komfort von einem persönlichen Chefkoch, der an Bord die Lieblingsspeisen der Gäste frisch zubereitet – und eben von einem Butler, der sich nur um die Bewohner der Residence kümmert.
 Das beginnt damit, dass sich der Butler und ein Concierge-Team rund eine Woche vorher bei den Passagieren melden und die Gourmet-Wünsche für den Flug recherchieren, um danach einzukaufen.

Rheinischer Sauerbraten aus Wagyu-Beef mit hausgemachten Knödeln und Rotkohl – kein Problem. 41 Butler versehen bei Etihad diesen Dienst, Michael Borsch ist einer von ihnen – und der einzige aus Deutschland. 
Es ist bereits heiß in diesem Frühling in Abu Dhabi. Eine trockene Hitze; die Sonnenstrahlen, die draußen vor dem Schulungszentrum auf flimmernde Landschaften treffen, haben deutlich an Kraft gewonnen. Der glutheiße Sommer steht in den Emiraten am Persischen Golf vor der Tür, mit Spitzenwerten von bis zu 45 Grad im Schatten. Leise rauschend erzählt die Klimaanlage ihre monotone Geschichte. Im Konferenz-Raum des Etihad Training Centers in Abu Dhabi sitzt Michel Borsch in seiner Butler-Uniform.

Der Chef-Butler des Savoy Hotels, Sean Davoren (l.), gratuliert zum Ausbildungsabschluss (Foto: Harry Page)

Der Berliner ist gerade gestern aus New York zurückgekommen. Jetzt stehen drei Tage Erholung am Boden an, dann geht es weiter nach Sydney, ein Zwölf-Stunden-Flug. Alltag für den fliegenden Butler. Michael liebt die Metropole in Australien und ihre Wahrzeichen wie die Oper und die Harbour Bridge. Am Morgen nach dem Dienst auf der Langstrecke geht er dort erst einmal joggen. 
Zufällig sah er vor einigen Jahren eine Zeitungsanzeige, in der Etihad Airways nach Bewerbern für einen First-Class-Service an Bord suchte. Einstellungsvoraussetzung: eine abgeschlossene Ausbildung als Food- & Beverage-Manager. „Ich habe sofort gewusst: Das ist es!“, erinnert sich Michael Borsch.

Auf eigene Kosten flog er mit dem nächsten Flugzeug in die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, um sich dort im Trainingszentrum vorzustellen. 
Einige Auswahlrunden später hatte der 36-Jährige den Job. Allerdings war damals das Projekt „The Residence“ noch eine streng geheime Idee der Geschäftsleitung.
Bei der Präsentation in Abu Dhabi vor vier Jahren fielen dann selbst die Mitbewerber aus unmittelbarer Nachbarschaft aus allen Wolken: die ebenfalls für ihren Luxus an Bord bekannten Gesellschaften Qatar Airways und Emirates. Ein solches Produkt hatte es bislang auf Linienflügen nicht gegeben; es ist bis heute konkurrenzlos.

Ausbildung im Savoy Hotel

Michael Borsch stand bei dieser Präsentation erst am Anfang seiner Ausbildung zum Butler. Ausbildung? „Ganz richtig, so einfach wird man bei Etihad nicht Butler. Die Airline hat sich dazu als Schule eines der besten Hotels der Welt ausgesucht“, erklärt Borsch. Damit ist das legendäre Savoy Hotel in London gemeint, wo der Deutsche bei dem nicht weniger legendären „Head Butler“ Sean Davoren, dem Chef der Butler dort, vier Wochen in allen Aspekten der Dienstleistung am Gast trainiert wurde. 
„Während der ersten beiden Wochen wurden wir an der ‚Savoy Butler School‘ an der University of West London geschult. Das war ein hochkonzentriertes Intensivprogramm“, erinnert sich Borsch.

Er kam damals zum ersten Mal in Kontakt mit den besten Maßschneidern, Schuhmachern und Winzern in London, die auch den englischen Königshof beliefern und genau wussten, wie auf die exklusiven Bedürfnisse und Wünsche besonderer Gäste einzugehen ist. 
In der dritten Woche stand dann ein Praktikum im Savoy Hotel selbst an, wo er und seine Kollegen auch in der Ausbildung direkt am Gast als Butler arbeiteten und jeden kleinen Trick selbst ausprobieren konnten. Das geschah immer unter den strengen Augen von Chef-Butler Sean Davoren: „Der Mann ist nicht nur Butler mit Herzblut. Das ist sein Leben“. 
Der letzte Schulungsabschnitt fand dann im Etihad-Trainingszentrum in Abu Dhabi statt.

Süße Träume: 
das Doppelbett im Schlafzimmer (Foto: Etihad)

Dort stehen detailgetreue Nachbauten der Kabinen aller Flugzeuge der Airline. Für die A380 sind alle vier Klassen an Bord nachgebaut, von der Economy über Business und First Class bis zur Residence. So kann der Service an Bord am Boden simuliert werden. „Das war mit Sicherheit der wichtigste Teil der Ausbildung. Wir haben dort das Gelernte perfektioniert, sodass wir dem Gast ein einzigartiges Service-Erlebnis bieten“, sagt Borsch. Das beginnt übrigens schon weit vor dem Flug, wenn der Butler seinen Gast in der Lounge am Flughafen begrüßt.

Meist sind unbekannte Superreiche beim Butler zu Gast – aber immer wieder auch Promis. Sie nutzen die Suiten ungestört als Reise-Appartements für Langstreckenflüge. Welcher womöglich bekannte Manager oder Megastar da schon an Bord war, darüber möchte Michael Bosch nicht reden. Diskretion ist eines der ersten Gebote eines Butlers, erzählt er – und das gilt auch für seine fliegenden Kollegen.

Diskretion ist Ehrensache

Der Job im Flugzeug macht Borsch glücklich und zudem auch jedes Mal ein bisschen stolz, wenn er seine Suite samt ihrem Service wieder neuen Gästen präsentieren darf.
Abgehoben ist Michael Borsch dennoch nicht: Beim Heimaturlaub in Bad Dürkheim freut er sich immer riesig über das Gulasch seiner Mutter mit hausgemachten Knödeln. Falls Sie den sympathischen Deutschen einmal kennenlernen wollen: Gäste von „The Residence“ dürfen sich ihren persönlichen Butler aus der Mannschaft von Etihad vor dem Flug selbst auswählen.

Text: Thomas Starost, AERO INTERNATIONAL 4/2019