Wizz Air bleibt beim digitalen Bordbuch von Lufthansa Technik
Wizz Air nutzt das AVIATAR Technical Logbook von Lufthansa Technik langfristig weiter, künftig für mehr als 400 Jets der A320-Familie.
Wizz Air hat den Vertrag über das AVIATAR Technical Logbook mit Lufthansa Technik langfristig verlängert. Die Airline war 2021 Erstkunde des elektronischen Logbuchs. Inzwischen deckt die Vereinbarung mehr als 400 Flugzeuge ab.
Die ungarische Low-Cost-Airline Wizz Air führt ihre technischen Beanstandungen auch künftig digital. Auf der Wartungsmesse MRO Europe gaben die Fluggesellschaft und Lufthansa Technik eine neue Langfrist-Vereinbarung über das AVIATAR Technical Logbook bekannt. Finanzielle Details und die genaue Laufzeit nannten beide Seiten nicht.
Vom Erstkunden zur 400-Jet-Flotte im AVIATAR Technical Logbook
Die Zusammenarbeit reicht bis 2018 zurück. Damals entschied sich Wizz Air für AVIATAR, die damals neue digitale Plattform von Lufthansa Technik. Drei Jahre später führte die Airline als erster Kunde das elektronische Technical Logbook ein. Es ersetzt das klassische Papier-Bordbuch, in das Crews technische Mängel eintragen.
2022 genehmigte die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) die Betriebsverfahren von Wizz Air für den Einsatz des elektronischen Logbuchs. Im selben Jahr lief das System auf mehr als 140 Flugzeugen. Die erneuerte Vereinbarung umfasst nun mehr als 400 Maschinen der Airbus-A320-Familie, also nahezu die gesamte Flotte der stark wachsenden Airline.
Weniger Anrufe, weniger Papier
Der Kern des Systems ist die direkte Verbindung zwischen Cockpit und Wartung. Meldet eine Crew einen Defekt, landet der Eintrag sofort beim Maintenance Control Center. Dort bewerten Technikerinnen und Techniker die Beanstandung und steuern die nötigen Arbeiten. Rückfragen per Telefon und das Abtippen handschriftlicher Einträge entfallen weitgehend.
Wizz Air beziffert den Effekt mit zwei Zahlen: Seit der Einführung gingen die Anrufe im Maintenance Control Center um mehr als 25 Prozent zurück. Der Aufwand für manuelle Dokumentation sank um bis zu 50 Prozent. Diogo Reu, Head of Engineering & Maintenance bei Wizz Air, verweist zudem auf bessere Datenqualität und mehr Transparenz im Betrieb. Langfristig will die Airline ihre technischen Abläufe möglichst ohne Papier abwickeln.
AVIATAR, AMOS und flydocs: Datenkette über den gesamten Lebenszyklus
Das Logbuch ist bei Wizz Air Teil einer größeren Systemlandschaft, die Lufthansa Technik unter dem Namen Digital Tech Ops Ecosystem vermarktet. Das AVIATAR Technical Logbook ist direkt an AMOS angebunden, die Wartungs- und Engineering-Software des Konzerns. Dort plant die Airline die Instandhaltungsarbeiten und dokumentiert deren Durchführung.
Als dritter Baustein kommt flydocs hinzu, ein Spezialist für die Verwaltung von Flugzeugakten und technischen Dokumenten. Nach Abschluss der Arbeiten wandern Nachweise und Unterlagen dorthin. So entsteht eine durchgängige digitale Akte, die jeden Eingriff an einem Flugzeug über seine gesamte Lebensdauer nachvollziehbar macht. Das ist nicht zuletzt für Leasinggeber und bei der Rückgabe von Flugzeugen relevant, wo lückenlose Dokumentation über den Wert eines Jets mitentscheidet.
Lufthansa Technik sieht Wizz Air als Mitentwickler
Für Lufthansa Technik ist Wizz Air mehr als ein Großkunde. Stefan Loh, Corporate Key Account Manager Sales, betont, dass die Airline die Entwicklung des Logbuchs als Erstkunde vor fünf Jahren maßgeblich mitgeprägt habe. Das System liefere inzwischen im großen Maßstab messbare Ergebnisse im Flugbetrieb. Mit der Verlängerung will der Hamburger Wartungskonzern das weitere Wachstum von Wizz Air mit seinen Digitalprodukten begleiten.