Die Nachfrage nach Flugreisen hat sich nach der Pandemie schneller erholt als erwartet – doch Deutschland profitiert davon nur eingeschränkt. Das zeigt der erste gemeinsame Wirtschaftsreport des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Branchenverbands BDL.

Zunächst zur wirtschaftlichen Dimension: Luftverkehrswirtschaft und Luftfahrtindustrie erzielten 2024 in Deutschland eine Bruttowertschöpfung von 58,4 Milliarden Euro. An der Branche hingen direkt oder indirekt knapp 537.000 Arbeitsplätze. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt damit bei rund 1,3 Prozent.

Weniger Direktziele am Luftverkehrsstandort Deutschland

Entscheidend für einen Wirtschaftsstandort ist jedoch weniger die Zahl der Flüge als die Qualität der Anbindung. Der Report misst sie an direkt erreichbaren Zielen, Frequenzen und an Verbindungen am frühen Morgen und späten Abend, die für Geschäftsreisende besonders wichtig sind.

Bis 2019 wuchs das Streckennetz vieler deutscher Flughäfen in die Breite: Die Zahl der Ziele stieg schneller als die der Abflüge. Seit der Pandemie gehen die Entwicklungen auseinander. Frankfurt hat bei den Direktzielen 2024 annähernd wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Die übrigen großen Flughäfen bieten dagegen bis zu 18 Prozent weniger Destinationen an als 2019. Vielerorts wurden zudem Frequenzen und Tagesrandverbindungen ausgedünnt.

Langstrecke: Drehkreuze außerhalb der EU gewinnen Marktanteile

Besonders deutlich fällt die Verschiebung im Interkontinentalverkehr aus. Seit 2010 steigen Passagiere auf der Langstrecke zunehmend an Hubs in der Türkei und in der Golfregion um. Auf Verbindungen zwischen Deutschland und Fernost beziehungsweise Südostasien wuchs der Anteil über Nicht-EU-Drehkreuze von 34 auf 54 Prozent. Der Anteil der Umsteigeverbindungen über deutsche Hubs schrumpfte im gleichen Zeitraum von 56 auf 36 Prozent. Beim Verkehr nach Afrika beobachten die Autoren ein ähnliches Muster.

BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang sieht darin eine allmähliche Abkopplung Deutschlands vom internationalen Netz – ein Problem gerade für eine exportorientierte Volkswirtschaft. Der Verband fordert geringere Standortkosten und einheitliche Klimaschutzregeln für alle Wettbewerber.

Ticketpreise verdoppelt: Standortkosten im Luftverkehr steigen

Welche Rolle die Kosten spielen, belegt der Report mit Zahlen: Staatlich festgelegte Posten wie Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsgebühren und Flugsicherungsentgelte haben sich seit 2019 in der Spitze mehr als verdoppelt. Pro Passagier fallen im Schnitt inzwischen rund 30 Euro an.

Auch die Ticketpreise sind deutlich gestiegen. Ein Flug von oder nach Deutschland kostete 2010 durchschnittlich knapp 150 Euro, 2024 waren es rund 300 Euro. Neben den Abgaben treiben laut Report auch höhere Personal- und Betriebskosten die Preise.

Klimaschutz im Luftverkehr: Verlagerung statt Einsparung

Wenn Strecken und Umsteiger in Regionen mit geringeren Auflagen abwandern, werden Emissionen nicht vermieden, sondern lediglich verlagert. Dieses als Carbon Leakage bekannte Phänomen greift der Report ausdrücklich auf. Der Luftverkehr verursacht derzeit rund drei Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen. Unter Einbeziehung von Kondensstreifen und Stickoxiden liegt sein Anteil an der globalen Klimawirkung bei etwa fünf Prozent.

Als Ansatzpunkte nennt die Studie effizientere Flugzeuge, nachhaltige Kraftstoffe (SAF), optimierte Routen und die gezielte Vermeidung langlebiger Kondensstreifen. Erste Auswertungen legen nahe, dass sich Klimaeffekte durch angepasste Flugplanung in Einzelfällen reduzieren lassen.

Der Handlungsdruck dürfte weiter steigen: Das DLR rechnet damit, dass die weltweite Passagierzahl bis 2034 auf 154 Prozent des Niveaus von vor der Pandemie wächst. Die Zahl der Flüge steigt dabei langsamer, weil Airlines verstärkt größere und sparsamere Flugzeuge einsetzen.