Drohnendetektion am BER: Die Flugsicherung sieht jetzt früher, was sich nähert
Nach wiederholten Drohnensichtungen rund um deutsche Airports rüstet der Bund technisch nach. Am Flughafen Berlin Brandenburg ist seit Kurzem ein System zur Drohnendetektion in Betrieb. Es soll Lotsen und Behörden wertvolle Minuten verschaffen, doch abwehren kann es selbst nichts.
Eine Drohne im Anflugkorridor eines Großflughafens reicht aus, um den Betrieb für längere Zeit lahmzulegen. Diese Erfahrung musste zuletzt auch der BER machen: Wegen einer Sichtung wurde der Flugverkehr dort unterbrochen. Die Deutsche Flugsicherung hat am Hauptstadtflughafen nun eine Detektionstechnik in Betrieb genommen, die unbemannte Fluggeräte im An- und Abflugbereich frühzeitig erfassen soll.
Drohnendetektion am BER: Was das neue System leistet
Die Aufgabe des Systems ist klar umrissen. Es soll Drohnen im relevanten Luftraum rund um den Flughafen erkennen und die gewonnenen Daten an die zuständigen Stellen weitergeben. Damit ist die Lage nicht mehr allein auf Augenzeugenberichte von Piloten oder Anwohnern angewiesen, sondern kann auf eine technische Grundlage gestellt werden. Gerade an einem internationalen Drehkreuz wie dem BER hängt viel davon ab, wie schnell sich eine Meldung bestätigen oder entkräften lässt. Jede Minute Unklarheit kostet Kapazität und verursacht Umleitungen sowie Verspätungen im gesamten Netz.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) bezeichnet die Inbetriebnahme als wichtigen Schritt für die Sicherheit des Luftverkehrs. Entscheidend sei, mögliche Drohnen früh zu erkennen und die Situation zügig einzuordnen.
Warum die Drohnendetektion gerade jetzt kommt
Hintergrund sind die Sichtungen der vergangenen Monate an mehreren deutschen Verkehrsflughäfen. Wer hinter den Flügen steckt, bleibt dabei häufig offen. Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach mahnt deshalb zur Vorsicht bei der Interpretation. Weder einzelne Sichtungen noch die bloße Zahl registrierter Vorfälle erlaubten belastbare Aussagen über Betreiber, Absichten oder die tatsächliche Bedrohungslage. Um richtig reagieren zu können, brauche es möglichst früh verlässliche Informationen, so Crumbach. Genau hier soll die Detektion ansetzen: Sie liefert Fakten, wo bislang oft Vermutungen standen.
Erkennen ja, abwehren nein: Klare Rollen bei der Drohnendetektion
Die Aufgabenteilung bleibt bewusst getrennt. Die DFS stellt ausschließlich die technische Erfassung im An- und Abflugbereich bereit. Ob und wie gegen eine erkannte Drohne vorgegangen wird, entscheiden die jeweils zuständigen Sicherheitsbehörden. Damit das Zusammenspiel im Ernstfall funktioniert, stimmen das Bundesverkehrsministerium (BMV) und die DFS die technischen Schnittstellen sowie die Melde- und Informationswege mit dem Bundesinnenministerium und den Sicherheitsbehörden ab.
Diese Trennung ist nicht neu, sie wird aber mit der Technik am BER erstmals greifbar. Ob die Übergabe zwischen Flugsicherung, Polizei und weiteren Behörden im Alltag reibungslos funktioniert, wird sich erst in der Praxis zeigen.
Drohnendetektion an weiteren deutschen Flughäfen geplant
Der BER ist Teil eines vom BMV angestoßenen Ausbauprogramms. Nach und nach sollen weitere internationale Verkehrsflughäfen mit vergleichbaren Systemen für ihre An- und Abflugbereiche ausgestattet werden. Welche Standorte als Nächstes an der Reihe sind und nach welchem Zeitplan das geschieht, hat das Ministerium bislang nicht konkret benannt.
Für Airlines und Passagiere verbindet sich damit vor allem eine Hoffnung: Sichtungen sollen schneller bewertet werden können, damit Betriebsunterbrechungen kürzer ausfallen oder gar nicht erst nötig werden. Die Erkennung ist dafür jedoch nur der erste Baustein. Wie wirksam das Gesamtsystem ist, hängt davon ab, was nach der Detektion geschieht.