Ryanair greift die deutsche Tourismusstrategie scharf an. Hohe Zugangskosten und die Luftverkehrsteuer in Deutschland behindern laut Airline das Wachstum und die Rückkehr zum Vorkrisenniveau.

Die irische Fluggesellschaft Ryanair hat die Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung scharf kritisiert. Nach Ansicht der Airline ignoriert das Strategiepapier die aus ihrer Sicht zentrale Hürde für mehr internationales Wachstum: die Luftverkehrsteuer in Deutschland und weitere hohe Zugangskosten.

Deutschland sei ein bedeutender Markt mit attraktiven Reisezielen, einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und vielfältigen touristischen Angeboten. Doch die hohen staatlichen Belastungen verhinderten eine nachhaltige Erholung des Luftverkehrs. Die Passagierzahlen lägen weiterhin bei lediglich 89 Prozent des Vorkrisenniveaus. Fluggesellschaften hätten Kapazitäten in wettbewerbsfähigere europäische Märkte verlagert, in denen Steuern gesenkt oder vollständig abgeschafft wurden.

Tourismusstrategie ohne Luftfahrtstrategie?

Aus Sicht von Ryanair kann eine erfolgreiche Tourismusstrategie nur mit einer klaren Luftfahrtstrategie beginnen. Die jüngst beschlossene Senkung der Luftverkehrsteuer um drei Euro bewertet das Unternehmen als unzureichend. Deutschland erhebe weiterhin eine der höchsten Luftverkehrsabgaben in Europa.

Ryanair-CEO Eddie Wilson bringt es deutlich auf den Punkt: Eine Nationale Tourismusstrategie ohne wettbewerbsfähige Zugangskosten zu veröffentlichen, sei „eine völlige Zeitverschwendung“. Die Luftfahrt bringe die Touristen ins Land – und solange Deutschland seine hohen und nicht wettbewerbsfähigen Zugangskosten nicht angehe, bleibe die Strategie „viel Gerede ohne konkrete Maßnahmen“.

Zudem enthalte das Strategiedokument lediglich einen Absatz zum Luftverkehrszugang im deutschen Markt, jedoch keinerlei konkrete Empfehlungen, um die Kostenbasis spürbar zu senken und das Tourismuswachstum anzukurbeln.

Mit Blick auf die eigene Flottenplanung verweist Ryanair auf 300 bestellte Boeing 737 MAX 10. Mit diesen Flugzeugen könne zusätzliche Kapazität auch an deutschen Flughäfen stationiert werden – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen verbesserten sich. Dadurch ließe sich insbesondere in den Regionen neues Tourismuswachstum generieren.

Wettbewerbsfähigkeit leidet unter hohen Zugangskosten

Deutschland verfüge traditionell über eine starke Position als eines der führenden Reiseziele Europas. Die Wettbewerbsfähigkeit werde jedoch durch hohe Zugangskosten – darunter Luftverkehrsteuer, Flugsicherungsgebühren und Flughafenentgelte – erheblich geschwächt.

Eddie Wilson verschärft die Kritik: Deutschland solle eigentlich ein führendes Reiseziel in Europa sein. Es verfüge über Städte von Weltrang, Kultur und vielfältige Aktivitäten, werde jedoch durch eine Politik ausgebremst, „die genau jene Flüge übermäßig besteuert, die Touristen ins Land bringen“.

Solange die Luftverkehrsteuer Deutschland nicht grundlegend reformiert oder vollständig abgeschafft werde, verlagerten Airlines ihre Kapazitäten zwangsläufig in andere Märkte.

Blick ins europäische Ausland

Als Beispiele nennt Ryanair Länder wie Schweden, Ungarn und Albanien sowie Regionen in Italien. Dort seien Luftverkehrssteuern abgeschafft oder gesenkt und Flughafenentgelte reduziert worden, um Verkehr, Investitionen und Beschäftigung anzukurbeln.

Wenn es die Bundesregierung mit dem Tourismus ernst meine, so Wilson abschließend, müsse sie die „schädliche Luftverkehrsteuer vollständig und unverzüglich abschaffen“.

Verdopplung auf 34 Millionen Passagiere in Aussicht gestellt

Nach Unternehmensangaben könnten umfassende Kostenreformen dazu führen, dass Ryanair das Verkehrsaufkommen in Deutschland auf 34 Millionen Passagiere verdoppelt, 30 zusätzliche Flugzeuge stationiert und landesweit Tausende Arbeitsplätze schafft.

Ob die Bundesregierung auf diese Forderungen reagiert, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Die Debatte um die Luftverkehrsteuer in Deutschland dürfte die Diskussion über Wettbewerbsfähigkeit und Standortpolitik in der Luftfahrtbranche weiter anheizen.