Internationale Kooperation bei Absturzuntersuchung von Flug MH17

Den Haag/London (dpa) - Die Untersuchung der Absturzursache von Flug MH17 in der Ostukraine läuft unter Führung der Niederlande, die auch für die Identifizierung der 298 Opfer verantwortlich sind. Dazu wollen die Niederländer vor allem mit den Staaten kooperieren, die ebenfalls Opfer zu beklagen haben. Aus Deutschland beteiligen sich der Direktor ?der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), Ulf Kramer, mit einem Kollegen sowie zwei Mitarbeiter der Spezialeinheit «Identifizierungskommission» beim Bundeskriminalamt an der Arbeit. Eine Übersicht über wichtige Einrichtungen, die an der Untersuchung beteilt sind:

NATIONALER SICHERHEITSRAT (Nationale Onderzoeksraad voor Veiligheid): Das niederländische Gremium leitet die internationale Untersuchung zur Aufklärung der Absturzursache. Der Rat wurde 2005 von der Regierung in Den Haag eingerichtet. Er soll unabhängige Untersuchungen zu Katastrophen und Unfällen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens einleiten und koordinieren. Eine Untersuchung wird immer dann in Gang gesetzt, wenn die Sicherheit von Bürgern der Niederlande bedroht ist, etwa bei schweren Unfällen in der Industrie, im Transportwesen oder der Umwelt. Der Rat stellt je nach Vorfall spezifische Expertenteams zusammen. Im Fall von MH17 wirken zur Zeit 24 internationale Experten mit.

DAS NIEDERLÄNDISCHE FORENSISCHE INSTITUT (NFI): Das Institut bei Den Haag ist für die DNA-Analyse der Opfer zuständig. Das auch international führende Institut arbeitet im Auftrag der niederländischen Justiz und Polizei, aber auch internationaler Organisationen und Behörden. Dazu gehört etwa das UN-Kriegsverbrechertribunal zum früheren Jugoslawien. Das Institut mit etwa 600 Mitarbeitern hatte bereits 2010 DNA-Profile der Opfer des Flugzeugunglücks bei Tripolis in Libyen erstellt. Damals waren 103 Menschen umgekommen, darunter 70 Niederländer.

DAS NATIONALE TEAM FORENSISCHER ERMITTLUNGEN DER POLIZEI (LTFO): Das LTFO (Landelijke Team Forensische Opsporing)ist für die Identifizierung der Opfer zuständig. Rund 150 Experten der niederländischen Polizei und anderer Organisationen arbeiten hier auf dem Gebiet der forensischen Spurenermittlung und Identifizierung von Opfern zusammen. Das Team wird immer bei großen Katastrophen oder Anschlägen eingesetzt. Zu dem Team gehören auch Spezialisten für Sprengstoff, Brand, Explosionen und Bombenschläge.

INTERNATIONALE ZIVILLUFTFAHRTORGANISATION (ICAO): Die ICAO ist eine Agentur der Vereinten Nationen mit Sitz im kanadischen Montréal, der 190 der 193 UN-Staaten und die Cook-Inseln angehören. Aufgabe der ICAO ist es, zusammen mit Staaten, Fluggesellschaften und Flugzeugherstellern internationale Standards zu entwickeln. Flugzeugabstürze untersucht die ICAO normalerweise nicht, wertet die Ergebnisse dann aber für internationale Standards aus. In sehr seltenen Fällen ist die ICAO direkt an der Aufklärung beteiligt, etwa 1983 nach dem Abschuss einer koreanischen Passagiermaschine mit 269 Menschen an Bord durch einen sowjetischen Abfangjäger. Am 21. Juli forderte der UN-Sicherheitsrat per Resolution, die ICAO solle bei der Absturzuntersuchung von Flug MH17 eine «zentrale Rolle» spielen.

BRITISCHE ABTEILUNG ZUR UNTERSUCHUNG VON FLUGUNFÄLLEN: Das Expertenteam, das die Flugschreiber-Daten von Flug MH17 auswerten soll, gehört zum britischen Verkehrsministerium. In der «Air Accident Investigation Branch» (AAIB) arbeiten Piloten, Luft- und Raumfahrt- sowie Elektroingenieure. Sie untersuchen zivile Flugzeugabstürze und ernste Zwischenfälle im Königreich, helfen aber auch im Ausland, wenn Briten betroffen sind. Ziel ist, die Unglücksursache zu ermitteln, um Sicherheitslücken aufzuspüren. Die AAIB hat ihren Sitz in Farnborough bei London und geht zurück auf eine 1915 gegründete Abteilung der britischen Luftwaffe.

BUNDESSTELLE FÜR FLUGUNFALLUNTERSUCHUNG (BFU): Wenn Flugzeuge verunglücken, liefern Flugdatenschreiber oftmals wichtige Hinweise zur Aufklärung der Ursachen. Sie sind so konstruiert, dass sie Abstürze überstehen können. Bei der BFU in Braunschweig gibt es dafür ein sogenanntes Avioniklabor. Dort werden Flugdatenschreiber zur Auswertung an spezielle Computer angeschlossen. Flugdatenschreiber geben auch Auskunft über den genauen Ort eines Unglücks.

SPEZIALEINHEIT «IDENTIFIZIERUNGSKOMMISSION» BEIM BKA: Experten des Bundeskriminalamts (BKA) werden oft um Unterstützung bei der Identifizierung von Leichen gebeten. Das BKA verfügt seit einem Flugzeugunglück auf Teneriffa 1972 über die Spezialeinheit «Identifizierungskommission». Sie wurde bisher bei rund 40 Einsätzen im In- und Ausland eingesetzt, zuletzt im September 2013 nach dem Terroranschlag auf ein Einkaufszentrum in Nairobi (Kenia) und im November 2013 nach einem Taifun auf den Philippinen.

FORENSISCHE EXPERTEN AUS MALAYSIA: Das Gesundheitsministerium Malaysias schickt drei forensische Experten, die zunächst in der Ukraine bei ersten Identifizierungsarbeiten geholfen haben, in die Niederlande. Zwei weitere Fachleute sollen an diesem Donnerstag Vergleichsmaterial für DNA-Untersuchungen der malaysischen Opfer aus Kuala Lumpur zur Identifizierung in die Niederlande bringen. An Bord der Malaysia-Airlines-Maschine waren auch 43 Bürger Malaysias.

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