Waffen für Nahost? - Russische Luftfahrtmesse trotzt Sanktionen

24.08.2015

Der Sukhoi Superjet 100 links und Russlands Mehrzweckjäger die SU-35BM rechts. Bild: Sukhoi

Mit der Leistungsschau MAKS will Russland zeigen, dass die Sanktionen des Westens in der Luft- und Raumfahrt nicht wirken. Nach Verträgen im Wert von umgerechnet 19 Milliarden Euro 2013 will Moskau auch diesmal große Waffendeals perfekt machen. Spürt Russland die Krise?

Moskau - Martialisch werden das russische Jagdflugzeug SU-27 und der aufgemotzte ursprünglich sowjetische Kampfflieger MiG-29 SMT in Szene gesetzt. In Zeiten der schwersten Krise mit dem Westen seit dem Ende des Kalten Krieges zeigt Russland bei der Luft- und Raumfahrtmesse MAKS vor den Toren Moskaus Muskeln. Mit der militärischen Leistungsschau will Russland eine klare Botschaft an den Westen richten: «Die Sanktionen schaden Moskau nicht.» Die Strafmaßnahmen wegen der Ukraine-Krise werfen dennoch einen Schatten auf die russische Schwerindustrie.

Geradezu plakativ verweist die russische Führung darauf, dass die MAKS-2015 (25. bis 30. August) trotz der harten Wirtschaftssanktionen die letzte Messe vor zwei Jahren in den Schatten stellen soll. Industrieminister Denis Manturow erwartet von diesem Dienstag an Vertreter von 150 ausländischen Unternehmen aus 23 Staaten sowie fast 600 russische Firmen auf dem Flugfeld in Schukowski bei Moskau.

Zwar kommen trotz der Sanktionen auch westliche Gäste, doch die Stimmung ist verhalten. «Wir haben alle eingeladen, aber angesichts der bekannten Umstände ist die Zahl der Teilnehmer (aus dem Westen) gesunken», sagt Dmitri Schugajew vom Rüstungskonzern Rostec.

Neben Unternehmen aus Deutschland, Frankreich und den USA erwartet Russland vor allem Aussteller aus Asien - mit China an der Spitze. Verdreifacht habe sich die Zahl der chinesischen Vertreter, berichtet die Staatsagentur Tass. Auf der Webseite der Luftfahrtmesse nennen die Veranstalter insgesamt 11 Gäste aus dem Reich der Mitte - aus Deutschland werden 15 Unternehmen angekündigt.

Seit Beginn der Ukraine-Krise wirbt Russland offen um Partner im Osten. Mit der Wirtschafts- und Atommacht China möchte Kremlchef Wladimir Putin eine enge Handels- und Militärpartnerschaft eingehen und damit die internationale Dominanz der USA brechen.

Allein der chinesische Boom in Russland ist bislang ausgeblieben. Im Gegenteil seien die Investitionen aus China seit Jahresbeginn um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken, berichten russische Staatsmedien. Grund ist demnach die massive Rubelschwäche. Die russische Währung befindet sich seit Monaten im Sinkflug im Vergleich zum Dollar und Euro. In den vergangenen Wochen fiel der Wechselkurs fast täglich auf ein neues Halbjahrestief.

Die schwere Wirtschaftskrise dürfte bei der schillernden MAKS, einer der größten Luftfahrtmessen der Welt, jedoch in den Hintergrund rücken. Moskaus Rüstungsschmieden hoffen auf Milliardenverträge, vor allem wenn Könige aus dem Nahen Osten in Moskau shoppen gehen. Das russische Portal Lenta.ru meldet, dass der saudische König Salman bin Abdelasis al-Saud und Jordaniens Monarch Abdullah II. mit Kremlchef Putin die MAKS besuchen würden. Eine Bestätigung stand noch aus.

Die gerade von westlichen Sanktionen befreite Nahost-Regionalmacht Iran schickt Vizepräsident Sorena Sattari zur MAKS. Dabei könnte ein international kritisierter Liefervertrag für russische S-300 Luftabwehrraketen unterzeichnet werden, sagte ein Außenministeriumssprecher in Moskau der Agentur Interfax zufolge.

Einen der größten erwarteten Waffendeals könnte Russland selbst fix machen. Das Verteidigungsministerium kündigte den Kauf von 48 Jagdfliegern vom Typ Suchoi Su-35 an im Wert von umgerechnet etwa 1,3 Milliarden Euro, wie die Wirtschaftszeitung «Wedomosti» berichtet.

Mit Spannung erwartet die Fachwelt auch einen Blick auf den Hoffnungsträger der zivilen russischen Luftfahrt, den Sukhoi Superjet 100. Doch die erste in Russland entworfene Passagiermaschine seit dem Zerfall der Sowjetunion leidet unter den Sanktionen des Westens. Wie aus dem zweiten Quartalsbericht des Flugzeugbauers in diesem Jahr hervorgeht, könnte ein westliches Lieferverbot für Baukomponenten die Entwicklung zurückwerfen. Berichten zufolge kommen 40 Prozent der Bauteile aus dem Ausland und sind schwer zu ersetzen.

Krisenstimmung soll aber bei den MAKS-Besuchern auf keinen Fall aufkommen. Tiefe technische Einblicke sowie spektakuläre Flugschauen sollen die Besucher einmal mehr begeistern.

Quelle: dpa

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