Härtere Streiks der Lufthansa-Piloten am Horizont
25.09.2014 Die erneuten Tarifverhandlungen für die Lufthansa-Piloten bleiben erfolglos. Nach dem Scheitern der Gespräche müssen Flugpassagiere mit noch größeren Behinderungen als bislang rechnen. Frankfurt/Main (dpa) – Die Hoffnung auf eine Verhandlungslösung im festgefahrenen Tarifkonflikt der Lufthansa-Piloten ist schon wieder geplatzt. Nur zehn Tage nach der als Versöhnungssignal gewerteten Streikabsage durch die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) ist […]
25.09.2014
Die erneuten Tarifverhandlungen für die Lufthansa-Piloten bleiben erfolglos. Nach dem Scheitern der Gespräche müssen Flugpassagiere mit noch größeren Behinderungen als bislang rechnen.
Frankfurt/Main (dpa) – Die Hoffnung auf eine Verhandlungslösung im festgefahrenen Tarifkonflikt der Lufthansa-Piloten ist schon wieder geplatzt. Nur zehn Tage nach der als Versöhnungssignal gewerteten Streikabsage durch die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) ist es bei Europas größtem Luftverkehrskonzern mit der Ruhe wieder vorbei. Nach dem erneuten Scheitern der Verhandlungen wollen die Piloten ihre Gangart verschärfen. Passagiere müssen mit weit schlimmeren Streiks rechnen als bislang. Antworten auf wichtige Fragen:
Wann wird wieder gestreikt?
Das ist noch unklar. Die Vereinigung Cockpit wollte darüber am Donnerstag intern beraten, nannte aber keinen Termin. Offiziell heißt es, dass «ab sofort» mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen zu rechnen sei. Diese würden «jeweils vorher» der Öffentlichkeit bekanntgegeben. Bislang hatte die VC sich dazu stets eine Frist von 24 Stunden auferlegt, von der jetzt nicht mehr die Rede ist.
Es sind also auch kurzfristigere Streiks möglich?
Eindeutig ja. Das ist eine der möglichen Stellschrauben für die VC, um die Auswirkungen einer Arbeitsniederlegung zu verschärfen. Ohne die Vorwarnzeit hätte die inzwischen sehr streikerprobte Lufthansa weit größere Probleme, ihre Passagiere rechtzeitig zu informieren, auf andere Verbindungen umzubuchen oder Ersatzpiloten zu besorgen.
Welche weiteren Eskalationsstufen sind denkbar?
Die Gewerkschaft könnte von ihrer bisherigen Taktik der Nadelstiche wieder abweichen. Statt einzelne Standorte oder nur Teile der Flotte könnten die Piloten das gesamte Netz der Lufthansa samt der Germanwings lahmlegen. Schließlich könnte die VC darauf verzichten, ein voraussichtliches Ende des Streiks zu nennen. Auch dies würde es der Lufthansa deutlich erschweren, danach möglichst schnell wieder zum üblichen Flugplan zurückzukehren.
Kann Lufthansa größere Streiks unterlaufen?
Eher nicht. Solange die Piloten mit ihrem hohen Organisationsgrad voll hinter der Strategie der VC stehen, ist ein geregelter Flugbetrieb der Lufthansa, der Lufthansa Cargo und der Tochter Germanwings nicht möglich. Die wenigen Manager mit Pilotenlizenz könnten nur einen kleinen Teil der Verbindungen fliegen. Nicht betroffen wären die Töchter Swiss, Austrian, Brussels Airlines und Eurowings, die über eigene Piloten-Tarifverträge verfügen.
Woran sind die erneuten Gespräche gescheitert?
Laut VC soll Lufthansa gefordert haben, dass Teilzeit-Piloten erst später in den Vorruhestand gehen dürfen. Das weist das Unternehmen entschieden zurück. Man habe auf Anfrage der VC nur darüber sprechen wollen, ob Teilzeitpiloten mit ihrem entsprechend geringeren Gehalt auch künftig den Anspruch auf die volle Übergangsrente von derzeit 124 000 Euro pro Jahr haben sollten.
Fühlen sich die deutschen Piloten durch den Streikerfolg ihrer französischen Kollegen ermutigt?
Möglicherweise, aber gleichzeitig führt ihnen der von den Piloten erzwungene Verzicht der Air France auf einen Ausbau der Billigtochter Transavia die eigenen Grenzen vor Augen. Denn gegen ähnliche Pläne der Lufthansa zum Aufbau einer weltumspannenden Billigflugfamilie unter dem «Wings»-Markendach fehlt der VC der tarifpolitische Ansatzpunkt. Und politische Streiks wie in Frankreich sind in Deutschland verboten.
Es geht also gar nicht alleine um die Übergangsrenten?
Genau. Die VC selbst nennt 15 tarifliche Themen, die zwischen Piloten und Lufthansa noch ungelöst seien. Dazu gehört auch die seit zweieinhalb Jahren offene Frage nach der nächsten Gehaltssteigerung, für die eine VC-Forderung nach 10 Prozent Plus im Raum steht. Auch dafür haben sich die VC-Mitglieder in einer getrennten Urabstimmung streikbereit gezeigt. Es ist zudem kein Geheimnis, dass die VC möglichst alle Piloten der Lufthansa unter dem komfortablen Konzerntarifvertrag fassen will. Doch bereits heute fliegen im Konzern rund 3700 Piloten zu anderen Bedingungen.
Christian Ebner, dpa