Lissabon (dpa) – Gefährlicher Sekundenschlaf im Cockpit: Eine Befragung des portugiesischen Instituts für Zivilluftfahrt (INAC) unter 456 Piloten des Landes hat ergeben, dass mehr als jeder Zweite schon einmal während eines Fluges ungewollt eingeschlafen ist. Genau 53 Prozent gaben in der am Freitag von Medien in Lissabon veröffentlichten Umfrage zu, schon mal eingenickt zu sein. […]

Lissabon (dpa) – Gefährlicher Sekundenschlaf im Cockpit: Eine Befragung des portugiesischen Instituts für Zivilluftfahrt (INAC) unter 456 Piloten des Landes hat ergeben, dass mehr als jeder Zweite schon einmal während eines Fluges ungewollt eingeschlafen ist. Genau 53 Prozent gaben in der am Freitag von Medien in Lissabon veröffentlichten Umfrage zu, schon mal eingenickt zu sein. Sogar 91 Prozent der befragten Piloten räumten ein, sie hätten aufgrund von Übermüdung bei der Arbeit im Cockpit Fehler gemacht.

Nuno Queiroz vom Vorstand der portugiesischen Gewerkschaft der Piloten der Zivilen Luftfahrt (SPAC) sprach in einer ersten Reaktion von einem «beunruhigenden Phänomen». «Hierbei handelt es sich um Fehler, die möglicherweise keine große Auswirkung auf die Sicherheit während des Fluges haben. Man hat ja deshalb zwei Piloten. Aber es sind Fehler, die in Zusammenspiel mit anderen Faktoren schon schlimm sein können», sagte er der Nachrichtenagentur Lusa.

Das Thema der Übermüdung der Piloten durch Überforderung seitens der Fluggesellschaften sei aber in einer Zeit, in der über eine gemeinsame europäische Regelung für die zulässige Höchstzahl der ununterbrochenen Arbeitsstunden der Kapitäne und Copiloten debattiert werde, sehr aktuell, sagte Queiroz. In der Theorie sei eine solche Regelung positiv. Man befürchte aber, dass es bei der Einigung auf eine Zunahme der zulässigen Arbeitszeit hinauslaufen könne.

Die Koordinatorin der Umfrage, Cátia Reis, erklärte unterdessen, es handele sich bei den eingeräumten Ermüdungserscheinungen um Sekundenschlaf, bei dem die betroffenen Piloten unfreiwillig und ohne Absprache mit dem mitfliegenden Kollegen für eine kurze Zeit «völlig abschalteten». Der Kollege bekomme den Zwischenfall nicht unbedingt immer mit, fügte sie an.