Terroranschläge bringen den Opfern Leid. Sie verbreiten aber auch Angst und Schrecken. Die Furcht vor Anschlägen bringt viele Urlauber dazu, sich neue Reiseziele zu suchen. Das spüren die Anbieter deutlich. Vor allem die Türkei bekommt das derzeit zu spüren. London (dpa) – Die Terroranschläge in der Türkei und Belgien drohen Europas zweitgrößtem Reiseveranstalter Thomas Cook […]

Terroranschläge bringen den Opfern Leid. Sie verbreiten aber auch Angst und Schrecken. Die Furcht vor Anschlägen bringt viele Urlauber dazu, sich neue Reiseziele zu suchen. Das spüren die Anbieter deutlich. Vor allem die Türkei bekommt das derzeit zu spüren.

London (dpa) – Die Terroranschläge in der Türkei und Belgien drohen Europas zweitgrößtem Reiseveranstalter Thomas Cook den Sommer zu verderben. Bislang lägen die Reisebuchungen für die Sommersaison über alle Zielgebiete hinweg fünf Prozent niedriger als vor einem Jahr, teilte der Konzern mit Marken wie Neckermann Reisen und Öger Tours am Donnerstag in London mit. Konzernchef Peter Fankhauser hofft jetzt auf ein starkes Last-Minute-Geschäft. Der Aktienkurs des Unternehmens brach an der Londoner Börse zeitweise um fast 17 Prozent ein

Die Aktien des Wettbewerbers Tui verloren bis zum Mittag knapp drei Prozent, auch angesichts des Verschwindens eines Flugzeugs der Egyptair am Donnerstagmorgen. Laut Kreisen des ägyptischen Luftfahrtministeriums ist die aus Paris kommende Maschine mit 66 Menschen an Bord abgestürzt. Erkenntnisse über eine mögliche Ursache gab es zunächst nicht.

Ende Oktober war ein russischer Ferienflieger über der Sinai-Halbinsel abgestürzt, nachdem an Bord eine Bombe explodiert war. Zu der Tat, bei der 224 Menschen getötet wurden, hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Bei Thomas Cook drückte bisher vor allem die Tourismuskrise am Bosporus aufs Geschäft. «Wir sind Marktführer für die Türkei-Reisen in Deutschland und Großbritannien», erklärte Fankhauser den Buchungsrückgang. «Es kann also sein, dass wir etwas stärker leiden als die Wettbewerber.» Der weltgrößte Reisekonzern Tui hatte vergangene Woche zwar ebenfalls von dürftigen Türkei-Buchungen berichtet, nachdem bei einem Anschlag in Istanbul im Januar mehrere deutsche Touristen ums Leben gekommen waren.

Insgesamt liegen die Tui-Sommerbuchungen aber ein Prozent höher als im Vorjahr. Von der Abneigung der Kunden gegen die Türkei profitieren vor allem Reisen auf die Balearen und die Kanarischen Inseln, aber auch Fernziele wie die USA sind stark gefragt. Bei Thomas Cook konnten die Buchungszuwächse für Spanien und Amerika die Rückgänge im Türkei-Geschäft bislang jedoch nicht auffangen.

In Kontinentaleuropa liegen die Sommerbuchungen bislang sogar 10 Prozent niedriger als vor einem Jahr, in Deutschland liegt der Rückgang bei 6 Prozent. Besonders in Belgien seien nach den Anschlägen in Brüssel vom März die Buchungen deutlich eingebrochen. Der konzerneigenen deutschen Fluglinie Condor macht die Türkei ebenfalls zu schaffen – mit einem Buchungsrückgang von 4 Prozent.

Fankhauser erwartet derweil, dass Thomas Cook seinen um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn im laufenden Geschäftsjahr bis Ende September mindestens stabil halten kann.