Studie: Kein Reiseverzicht aus Terrorangst – Ausgaben stagnieren
Die Bundesbürger zögern nach Anschlägen in Urlaubsgebieten mit Buchungen. Nach einem schwachen Start in die Sommersaison schöpft Tourismusbranche allmählich etwas Hoffnung. Berlin (dpa) – Trotz Anschlägen in beliebten Urlaubsregionen wollen viele Bundesbürger nicht aufs Reisen verzichten. Für dieses Jahr haben 59 Prozent feste Pläne, weitere 11 Prozent wollen wahrscheinlich verreisen. Das ist das Ergebnis der Reiseanalyse der […]
Die Bundesbürger zögern nach Anschlägen in Urlaubsgebieten mit Buchungen. Nach einem schwachen Start in die Sommersaison schöpft Tourismusbranche allmählich etwas Hoffnung.
Berlin (dpa) – Trotz Anschlägen in beliebten Urlaubsregionen wollen viele Bundesbürger nicht aufs Reisen verzichten. Für dieses Jahr haben 59 Prozent feste Pläne, weitere 11 Prozent wollen wahrscheinlich verreisen. Das ist das Ergebnis der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), die am Mittwoch auf der Reisemesse ITB in Berlin vorgestellt wurde. Nur 12 Prozent wollen demnach sicher nicht verreisen. Anfang 2015 sagten dies 11 Prozent.
Die weltgrößte Reisemesse wird in diesem Jahr zum 50. Mal ausgerichtet. Etwa 10 000 Aussteller aus 187 Ländern und Regionen präsentieren bis Sonntag ihre Produkte und Trends.
Der Deutsche Reiseverband (DRV) rechnet mit einer baldigen Erholung des Tourismus in den Ländern, in denen in den vergangenen Wochen Terroranschläge verübt wurden. Das gelte besonders für die Türkei, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig, zum ITB-Auftakt. Fiebig zeigte sich überzeugt, dass der Einbruch bei den Buchungszahlen nach den Anschlägen in Istanbul mit elf toten deutschen Urlaubern und Ankara nur vorübergehend sei. Die Erfahrung zeige, dass sich solche Reiseziele «relativ kurzfristig wieder der alten Beliebtheit erfreuen».
Im vergangenen Jahr reisten 38 Millionen Touristen in die Türkei, davon kamen 5,5 Millionen aus Deutschland. Bis Ende Januar lagen die Buchungszahlen um 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Seit zwei Wochen geht es nach Angaben Fiebigs aber wieder aufwärts.
Auch die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin spürt die Folgen von Anschlägen in der Türkei und in Nordafrika. Die Nachfrage nach Flügen in diese Regionen sinke leicht, Urlauber wichen auf andere Ziele aus. «Wir haben umgehend auf die rückläufige Nachfrage in einigen Märkten reagiert und Kapazitäten in die Karibik und die Balearen verlagert», betonte Air-Berlin-Vorstandschef Stefan Pichler.
Die Bundesbürger ließen sich im vergangenen Jahr ihren Urlaub der FUR-Studie zufolge 87 Milliarden Euro kosten. Die Ausgaben stagnierten damit in etwa auf dem Rekordniveau des Vorjahres. Dabei gaben die Deutschen 2015 etwas weniger Geld für Urlaubsreisen von mindestens fünf Tagen Dauer aus: Die Summe sank von mehr als 67 Milliarden Euro (2014) auf 65,9 Milliarden Euro. Im Durchschnitt wurden pro Person und Reise 954 Euro gezahlt. Die Ausgaben für Kurzreisen legten dagegen von knapp 20 Milliarden auf 21,1 Milliarden Euro zu.
Deutschland war auch 2015 das beliebteste Ziel der Bundesbürger. 29 Prozent aller Reisen entfielen auf das eigene Land. Dahinter folgen die beliebten Auslandsdestinationen Spanien (13,1 Prozent), Italien (8,2 Prozent), Türkei (7,3 Prozent) und Österreich (5,3 Prozent). Innerhalb Deutschlands war Bayern das beliebteste Reiseland, ganz knapp vor Mecklenburg-Vorpommern.
Die FUR untersucht das Reiseverhalten der Deutschen seit mehr als 40 Jahren. Die jüngsten Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Befragung von mehr als 7500 Personen im Januar 2016.
Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt kritisierte unterdessen, große Teile der Bevölkerung in armen Zielländern hätten nichts von den Gästen aus dem Ausland. Die Gleichung, dass mehr Tourismus auch mehr Entwicklung bedeute, gehe nicht auf, sagte die Tourismusexpertin des Hilfswerks, Antje Monshausen. In nordafrikanischen Staaten wie Ägypten und Tunesien hätten die Eliten jahrelang «einträglich vom Tourismus gelebt und mit ihm ihre eigene Machtbasis gestärkt». Die wirtschaftliche Lage der meisten Menschen habe sich nicht verbessert.