Die Auftragsflut für den US-Flugzeugbauer Boeing setzt sich fort. Auch Airbus zieht auf der Luftfahrtmesse in Farnborough nach, doch der Erzrivale aus den USA hat die Nase weiter vorn. Auch beim Riesenjet A380 läuft es bei Airbus nicht rund. Farnborough (dpa) – Trübere Aussichten für den Riesenflieger A380: Der Flugzeugbauer Airbus hat sein Absatzziel für […]

Die Auftragsflut für den US-Flugzeugbauer Boeing setzt sich fort. Auch Airbus zieht auf der Luftfahrtmesse in Farnborough nach, doch der Erzrivale aus den USA hat die Nase weiter vorn. Auch beim Riesenjet A380 läuft es bei Airbus nicht rund.

Farnborough (dpa) – Trübere Aussichten für den Riesenflieger A380: Der Flugzeugbauer Airbus hat sein Absatzziel für das laufende Jahr gekippt. Die geplanten 30 Neubestellungen für das Flaggschiff sind nach Einschätzung von Verkaufschef John Leahy nicht mehr zu erreichen. Erzrivale Boeing konnte auf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough bislang lediglich Kunden für über 200 Exemplare seines Mittelstreckenfliegers 737 präsentieren. Airbus schlug dagegen einige seiner der größeren und teureren Langstreckenmaschinen A350 und A330 los.

Die trüberen Aussichten für die A380 wurden an der Börse prompt mit einem Kursrutsch quittiert. Für die Aktie der Airbus-Mutter EADS ging es bis zeitweise um 4,44 Prozent auf 26,98 Euro nach unten.

«Der Markt für große Flugzeuge hat sich abgeschwächt», sagte Airbus-Verkaufschef John Leahy. Der Flugzeugbauer hatte zuletzt auf Aufträge der Fluglinien Emirates und von Cathay Pacific gehofft. Die Fluggesellschaft Turkish Airlines hatte für Juli zwar einen Großauftrag für 15 große Maschinen in Aussicht gestellt. Allerdings hat sich das Unternehmen noch nicht zwischen der doppelstöckigen A380 und dem modernisierten Boeing-Jumbo 747-8 entschieden.

Im ersten Halbjahr hatte Airbus lediglich Bestellungen für vier A380 eingesammelt. Materialfehler kratzen am Image des Vorzeigemodells. Haarrisse im Inneren der Tragflächen erfordern aufwendige Reparaturen an allen bisher ausgelieferten Maschinen. Auch deshalb seien im ersten Halbjahr lediglich zehn Maschinen fertiggeworden, sagte der neue Airbus-Vizechef Günter Butschek der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Er hält an dem Auslieferungsziel für 2012 fest: «30 Maschinen im Gesamtjahr sind weiter unsere Zielsetzung.» Butschek führt auch Airbus in Deutschland mit dem Hauptwerk in Hamburg-Finkenwerder.

Unterdessen fährt Airbus die Produktion der A320neo und des herkömmlichen Modells A320 in den kommenden Jahren weiter hoch. Mittel zum Zweck ist dabei das geplante neue Werk in den USA, das 2015 in Betrieb gehen soll. «Die Erwartung unserer Kunden ist groß, dass wir die Aufträge abarbeiten», sagte Butschek. Airbus hat binnen anderthalb Jahren bereits mehr als 1400 Festbestellungen für den Flugzeittyp eingesammelt, der 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen soll als der Vorgänger, die A320. Insgesamt reicht das Auftragsbuch für die kommenden sieben bis acht Jahre.

Unterdessen konnte Airbus in Farnborough einen ersten Kunden für die aufgerüstete Version seines Langstreckenfliegers A330 präsentieren. Der US-Flugzeugfinanzierer CIT bestellte zehn weitere Exemplare der A330. Offen blieb, wie viele Bestellungen auf die neue Version A330 entfallen, die mit einer um 400 nautische Meilen vergrößerten Reichweite und einem höheren Startgewicht punkten soll. Laut Preisliste haben die Jets einen Gesamtwert von rund 2,3 Milliarden US-Dollar (1,9 Mrd Euro). Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich. Die Fluggesellschaft Cathay Pacific aus Hongkong hatte bereits 26 Exemplare des neuen Langstreckenjets A350 in der Langversion bestellt.

Bei den Mittelstreckenjets konnte Boeing in Farnborough stärker punkten, nachdem Airbus für die spritsparende Neuauflage seiner A320-Familie in den vergangenen anderthalb Jahren mehr als 1400 Aufträge eingesammelt hatte. Für die Boeing 737 entschied sich am Mittwoch der irische Flugzeugfinanzierer Avolon. Er will 15 Exemplare der neuen, spritsparenden 737-MAX und zehn herkömmliche 737-NG bestellen. Außerdem sichert sich das Unternehmen Kaufoptionen für weitere fünf Exemplare der «MAX». Der Auftrag hat einen Gesamtwert von 2,3 Milliarden US-Dollar. Bereits am Montag und Dienstag hatte Boeing von Flugzeugfinanzierern Aufträge für 170 Exemplare der «MAX» und 25 herkömmliche 737-Jets im Gesamtwert von 18,4 Milliarden Dollar erhalten.

Unterdessen kann Airbus voraussichtlich 36 weitere A320-Mittelstreckenflieger nach China verkaufen. Der Flugzeugfinanzierer China Aircraft Leasing Corporation (CALC) hat eine Absichtserklärung unterzeichnet. CALC entschied sich nicht für die spritsparende A320neo, sondern für die herkömmliche Version. Bei acht Exemplaren handelt es sich um die längste Variante, die A321. Laut Preisliste hat der Auftrag einen Gesamtwert von 3,1 Milliarden Dollar.

Zudem steht Airbus steht Insidern zufolge vor einem Großauftrag von den Philippinen. Die Fluggesellschaft Philippine Airlines wolle 40 Airbus-Jets verschiedener Typen kaufen, erfuhr dpa-AFX aus Branchenkreisen. Unklar blieb, um welche Modelle es sich handelt. Mit einer Bekanntgabe der Bestellung im Laufe der Messe wird nicht gerechnet. Ein Airbus-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

Die IG Metall fordert von den Arbeitgebern der Luft- und Raumfahrtindustrie angesichts der Überstundenfülle mehr Arbeitsplätze. Rund 3655 Stellen könnten nach Auffassung der Gewerkschaft in Deutschland geschaffen werden. Sie begründet diese Berechnung mit einer Umfrage unter Betriebsräten der Branche, die am Mittwoch in Hamburg vorgestellt wurde.