Ryanair: Kerosinkosten drücken den Gewinn
Der Nahost-Konflikt hält den Ölpreis hoch, und Europas größter Billigflieger spürt das in der Bilanz. Ryanair reagiert mit einem Sparprogramm, bei dem auch Löhne und Crew-Stärke auf den Prüfstand kommen. Für Passagiere dürfte es teurer werden.
Ryanair stellt sich auf ein weiteres Jahr mit teurem Treibstoff ein. Die irische Fluggesellschaft rechnet damit, dass ihre Kerosinrechnung im kommenden Jahr um rund zwei Milliarden Euro steigt. Um diese Last abzufedern, will das Unternehmen seine Kosten auf breiter Front senken. Die Belastung zeigt sich bereits in den aktuellen Zahlen: Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 sank der Gewinn nach Steuern um sechs Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Das teilte Ryanair am Montag in Dublin mit.
Ryanair: Gewinn im ersten Halbjahr deutlich gesunken
Das zweite Geschäftsquartal umfasst bei Ryanair die Monate Juli bis September und damit die verkehrsstarke Sommersaison. Dass der Gewinn ausgerechnet in diesem Zeitraum zurückging, unterstreicht den Druck auf die Airline. Für das gesamte erste Halbjahr fällt das Minus mit 15 Prozent noch deutlicher aus.
Die Treibstoffkosten sind dabei nur ein Teil der Erklärung. Nach Angaben von Ryanair hat der Konflikt im Nahen Osten viele Reisende verunsichert. Sie hielten sich mit Buchungen zurück oder entschieden sich erst kurz vor dem Abflug. Das drückte die Ticketpreise und damit die Erlöse pro Passagier.
Was das Ryanair-Sparprogramm umfassen soll
Welche Maßnahmen am Ende umgesetzt werden, ist noch offen. Im Gespräch sind mehrere Ansätze: Ryanair will die Verträge mit Flughäfen neu prüfen, die Personalbesetzung an Bord möglicherweise anpassen und künstliche Intelligenz stärker einsetzen. Bei der Kabinenbesetzung ist der Spielraum allerdings begrenzt, denn die europäischen Vorschriften legen eine Mindestzahl an Flugbegleitern je Sitzplatzzahl fest.
Finanzvorstand Neil Sorahan machte in einem Interview deutlich, dass es keine Tabus gibt. Auch ein Einfrieren der Gehälter sei denkbar. Sorahan geht davon aus, dass der Ölpreis in den nächsten zwölf Monaten hoch bleibt. Ryanair werde deshalb „den Gürtel enger schnallen müssen“.
Gerade die Gespräche mit Flughäfen dürften Gewicht haben. Ryanair hat in der Vergangenheit wiederholt Kapazitäten von Standorten abgezogen, an denen ihm Gebühren und Abgaben zu hoch erschienen. Neue Verhandlungen könnten deshalb auch Auswirkungen auf das Streckennetz haben.
Hohe Kerosinpreise: Tickets dürften teurer werden
Für Fluggäste hat die Entwicklung eine direkte Folge. Weil Ryanair davon ausgeht, dass Kerosin auch im nächsten Jahr teuer bleibt, rechnet die Airline mit deutlich steigenden Flugpreisen. Damit würde sich das Bild der vergangenen Monate umkehren, in denen zögerliche Kunden und späte Buchungen die Preise nach unten gedrückt hatten.
Ob die Nachfrage höhere Tarife trägt, hängt maßgeblich von der weiteren Lage im Nahen Osten ab. Bleibt der Konflikt ein Unsicherheitsfaktor für Reisende, könnte Ryanair zwischen steigenden Kosten und zurückhaltenden Kunden in die Zange geraten. Das Sparprogramm soll genau diesen Spielraum schaffen.
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