Wenige Tage nach dem Angriff im Cockpit eines Flydubai-Flugs nach Tel Aviv verdichten sich die Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Neben Israel sprechen inzwischen auch die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate von einem versuchten Anschlag.

Die Maschine der emiratischen Fluggesellschaft war am Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als der Copilot seinen Kapitän attackiert haben soll. Nach Angaben der emiratischen Generalstaatsanwaltschaft, die von der staatlichen Nachrichtenagentur WAM zitiert wird, verwendete er dabei eine Rettungsaxt und versuchte, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen. Solche Äxte, im Fachjargon Crash Axes genannt, gehören zur vorgeschriebenen Notausrüstung von Verkehrsflugzeugen. Sie dienen etwa dazu, im Notfall Verkleidungen aufzubrechen.

Der schwer verletzte Kapitän konnte nach eigener Darstellung noch die Cockpittür öffnen. Daraufhin drangen mehrere Passagiere ein und überwältigten den Angreifer. Das Flugzeug hatte während des Vorfalls deutlich an Höhe verloren. Eine zweite Besatzung brachte die Maschine schließlich im saudi-arabischen Tabuk sicher zu Boden. Der Copilot wurde festgenommen und in die Emirate überstellt. Israelischen Angaben zufolge stammt er aus dem Oman.

Flydubai-Copilot soll in Oman als Sicherheitsrisiko gegolten haben

Brisant sind Berichte mehrerer US-Medien über die berufliche Vergangenheit des Mannes. Der Sender ABC News beruft sich auf hochrangige Vertreter von Geheimdiensten und Strafverfolgungsbehörden: Demnach war der Mann 2024 als Copilot in Ausbildung bei Oman Air tätig, als dort extremistisches Material bei ihm gefunden worden sein soll. Die Airline habe ihn daraufhin als Sicherheitsrisiko eingestuft und vom Flugdienst suspendiert, ihn jedoch weiter in der Verwaltung beschäftigt. CNN liegen nach eigenen Angaben vergleichbare Informationen vor.

Das „Wall Street Journal“ berichtet unter Berufung auf informierte Personen, Oman habe gegen den Mann ein Flugverbot verhängt, weil man radikale ideologische Ansichten befürchtete. Auch der saudische Sender Al-Arabija meldet ein solches Verbot. Seinen Quellen zufolge soll der Mann bei früheren Aufenthalten in Syrien mit extremistischem Gedankengut in Kontakt gekommen sein. Unabhängig bestätigt sind diese Angaben bislang nicht.

Ermittlungen zum Flydubai-Vorfall: Offene Fragen

Nach Darstellung von ABC News prüfen die Ermittler nun, wie der Mann trotz dieser Vorgeschichte als Pilot bei Flydubai anheuern konnte. Der Festgenommene soll mit den Behörden kooperieren. Unter Berufung auf Quellen aus dem Umfeld der Ermittlungen berichtet der Sender, er habe angedeutet, das Flugzeug über Israel zum Absturz bringen zu wollen.

Die israelische Regierung geht von einem dschihadistisch motivierten Anschlag aus. Die Ermittler in den Emiraten wollen klären, welches Motiv der Copilot verfolgte und ob er Verbindungen zu weiteren Personen oder Organisationen hatte. Technische Untersuchungen sowie die Auswertung physischer und digitaler Spuren laufen weiter.

Eine Rolle könnte dabei ein inzwischen gelöschtes LinkedIn-Profil spielen, das laut CNN unter dem Namen des Tatverdächtigen geführt wurde. Wenige Stunden nach dem Angriff sollen dort zwei Beiträge erschienen sein, darunter ein Video, das mit einem Bild des früheren Al-Kaida-Anführers Ayman al-Sawahiri endet. Wer die Beiträge veröffentlichte und ob sie vorab geplant waren, ist bislang offen.