Ryanair reduziert drastisch sein Angebot am BER. Der Flughafenverband ADV warnt vor strukturellen Nachteilen und hohen Kosten im deutschen Luftverkehr.

Die Entscheidung von Ryanair, ihr Flugangebot am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) massiv zu reduzieren, sorgt in der Branche für Unruhe. Der Flughafenverband ADV wertet den Schritt nicht als isolierte Maßnahme gegen die Hauptstadt, sondern als Symptom eines tieferliegenden Problems: die schwindende Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts Deutschland.

Nach Angaben der Airline soll im Winterflugplan rund die Hälfte der Verbindungen gestrichen werden. Zudem plant Ryanair, ihre Basis in Berlin zu schließen und die stationierten Flugzeuge abzuziehen. Für den Hauptstadtflughafen wäre das ein empfindlicher Einschnitt – nicht nur in Bezug auf das Streckenangebot, sondern auch für die Passagierentwicklung insgesamt.

Ryanair: BER-Rückzug und steigende Kosten

Ryanair begründet den Rückzug mit steigenden Gebühren am BER. Konkret verweist das Unternehmen auf geplante Entgelterhöhungen in den kommenden Jahren. Die Betreibergesellschaft Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) widerspricht jedoch dieser Darstellung und betont, dass sich beide Seiten noch in Verhandlungen befänden.

Unabhängig von dieser konkreten Auseinandersetzung sieht der Flughafenverband ein strukturelles Problem. Deutschland sei im europäischen Vergleich ein Hochkostenstandort. Neben Flughafenentgelten spielen dabei insbesondere staatliche Abgaben eine entscheidende Rolle. Dazu zählen die Luftverkehrsteuer, Sicherheitsgebühren sowie Kosten für Flugsicherung.

Zahlen im europäischen Vergleich

Ein Blick auf konkrete Zahlen verdeutlicht die Unterschiede: Für einen Flug von Berlin nach Palma de Mallorca fallen laut Branchenangaben rund 7.600 Euro an Steuern und Gebühren an. Ein vergleichbarer Flug ab Warschau kostet hingegen nur etwa 4.400 Euro. Noch deutlicher wird der Abstand bei Langstrecken: Während Airlines in Deutschland für einen Flug nach New York rund 25.300 Euro zahlen, liegen die Kosten an anderen europäischen Standorten bei etwa 13.900 Euro.

Diese Differenzen wirken sich unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit aus. Airlines reagieren sensibel auf Kostenstrukturen und verlagern Kapazitäten dorthin, wo wirtschaftlich attraktivere Bedingungen herrschen. Der Schritt von Ryanair könnte daher Signalwirkung für andere Fluggesellschaften haben.

Die Folgen dieser Entwicklung zeigen sich bereits in den Verkehrszahlen. Während viele europäische Länder in den vergangenen zehn Jahren ein deutliches Wachstum im Luftverkehr verzeichnen konnten, fällt die Bilanz in Deutschland vergleichsweise schwach aus. Die Passagierzahlen steigen nur moderat – ein Trend, der laut ADV auch auf die hohen Standortkosten zurückzuführen ist.

Für den BER kommt der Rückzug zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Nach Jahren des Aufbaus kämpft der Flughafen weiterhin um Marktanteile im europäischen Wettbewerb. Der Verlust eines wichtigen Low-Cost-Carriers könnte die Dynamik zusätzlich bremsen.