Der Konflikt im Nahen Osten lässt den Flugverkehr zwischen Europa und der Region massiv einbrechen. Zahlen von Eurocontrol zeigen Auswirkungen auf Airlines, Routen und Kosten.

Der anhaltende Konflikt in Nahost hat den internationalen Luftverkehr deutlich ausgebremst. Laut aktuellen Daten der Eurocontrol liegt das Flugaufkommen zwischen Europa und der Region derzeit rund 59 Prozent unter dem Niveau vor Beginn der Krise. Damit gehört die Entwicklung zu den stärksten verkehrlichen Einschnitten der vergangenen Jahre.

Vor Ausbruch der Spannungen wurden täglich etwa 2000 Flüge zwischen Europa und dem Nahen Osten gezählt. Aktuell sind es nur noch rund 800 Verbindungen pro Tag. Besonders drastisch zeigte sich die Lage Anfang März: Am 1. März sank die Zahl der Flüge auf lediglich 373. Ein Rückgang von rund 80 Prozent.

Flugverkehr Nahost: Stagnation auf niedrigem Niveau

Seit Anfang März hat sich der Verkehr auf deutlich reduziertem Niveau stabilisiert. Eine kurzfristige Erholung ist nicht in Sicht. Viele europäische Airlines haben ihre Verbindungen in die Region für die gesamte Sommersaison ausgesetzt oder stark eingeschränkt.

Bezieht man zudem Überflüge ein, etwa auf Routen zwischen Europa und Nordamerika, ergibt sich ein Rückgang von 56 Prozent. Das entspricht täglich mehr als 1300 gestrichenen oder umgeleiteten Flügen. Die Auswirkungen gehen damit weit über den direkten Verkehr in die Krisenregion hinaus.

Umwege treiben Kosten

Die Sperrung mehrerer Lufträume zwingt Airlines zu erheblichen Umwegen. Nach Angaben von Eurocontrol sind täglich rund 1150 Flüge betroffen, die zusammen über 200.000 zusätzliche Kilometer zurücklegen.

Zwei alternative Korridore haben sich etabliert:

  • eine nördliche Route über die Türkei, Georgien und Aserbaidschan
  • eine südliche Verbindung über Saudi-Arabien und Oman

Diese Umleitungen haben direkte wirtschaftliche Folgen. Der zusätzliche Treibstoffverbrauch liegt bei rund 600 Tonnen Kerosin pro Tag, was zugleich etwa 1900 Tonnen zusätzliche CO₂-Emissionen verursacht.

Parallel dazu ist der Kerosinpreis stark gestiegen. Mitte März erreichte er ein Niveau, das deutlich über dem Durchschnitt der Vormonate lag. Für Airlines bedeutet das steigende Betriebskosten; mit möglichen Konsequenzen für Ticketpreise und Angebotsstrukturen.

Airlines unterschiedlich betroffen

Die Auswirkungen des Nachfrageeinbruchs und der operativen Einschränkungen fallen je nach Airline unterschiedlich aus. Besonders stark betroffen ist Qatar Airways, die ihr Angebot um fast 90 Prozent reduziert hat. Auch Lufthansa und British Airways verzeichnen massive Einschnitte.

Low-Cost-Carrier wie Ryanair und Wizz Air haben ihre Flüge in die Region komplett eingestellt. Dagegen zeigt sich Emirates vergleichsweise stabil und bleibt einer der wichtigsten Anbieter auf den verbliebenen Strecken.

Einige Airlines aus der Region, darunter Saudia und Royal Jordanian, nutzen die Situation sogar, um ihre Präsenz in Europa auszubauen.

Auch auf Länderebene zeigen sich deutliche Unterschiede. Besonders stark betroffen ist die Türkei, deren Verbindungen in die Region um mehr als die Hälfte zurückgegangen sind. Deutschland verzeichnet ebenfalls einen deutlichen Rückgang, wenn auch weniger ausgeprägt.

Zu den am stärksten betroffenen Drehkreuzen zählen der Flughafen Istanbul, Heathrow Airport sowie Flughafen Frankfurt.