Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist allerdings eine Mammutaufgabe. Frankfurt/Main (dpa) – Lufthansa-Chef Carsten Spohr drückt beim Konzernumbau aufs Tempo. Unterstützung bekommt er dabei von starker Ticketnachfrage und billigem Kerosin. Das dürfte die Gewinne von Europas […]

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist allerdings eine Mammutaufgabe.

Frankfurt/Main (dpa) – Lufthansa-Chef Carsten Spohr drückt beim Konzernumbau aufs Tempo. Unterstützung bekommt er dabei von starker Ticketnachfrage und billigem Kerosin. Das dürfte die Gewinne von Europas größtem Luftverkehrskonzern im dritten Quartal nach oben getrieben haben. Doch längst sind noch nicht alle Probleme gelöst.

KONKURRENZ I: Billigairlines. Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billigairlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

KONKURRENZ II: Expansive arabische Fluggesellschaften. Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

TARIFKONFLIKTE: Ein Großteil der Tarifkonflikte ist nach wie vor ungelöst. Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Zudem droht die Kabinengewerkschaft Ufo mit Arbeitsniederlegungen der Flugbegleiter. Die Uhr tickt: Ufo hat die Lufthansa aufgefordert, ihr Angebot bis zum Ende der ursprünglich gesetzten Verhandlungsfrist am 1. November nachzubessern. Für das Bodenpersonal wiederum gibt es noch keine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Und damit nicht genug: Ufo will sich mit der Pilotengewerkschaft VC und Verdi abstimmen, um ein gemeinsames Vorgehen zu verabreden. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist derzeit allerdings offen. Bislang verhandeln die drei Gewerkschaften nach Beschäftigtengruppen getrennt über Gehälter und Versorgungsansprüche der Lufthansa-Mitarbeiter in Deutschland. Das komplizierteste Thema sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

KONZERNUMBAU: Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist «Eurowings Europe» mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden. Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten.

GERMANWINGS-ABSTURZ: Der vom Co-Piloten Andreas Lubitz im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50 000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge zuletzt als zu niedrig ab.