Von glücklich bis gestrandet: Passagiere im Pilotenstreik
10.09.2014 Auch beim dritten Piloten-Streik innerhalb von zwei Wochen bleibt das große Chaos aus. Trotz mehr als 140 gestrichener Flüge gab es keine langen Schlangen am Münchner Flughafen. Der Lufthansa-Chef will nun die Gangart gegenüber der Gewerkschaft Cockpit verschärfen. München/Frankfurt – Um kurz nach neun am Morgen ist die Welt für Lufthansa-Passagiere noch in Ordnung […]
10.09.2014
Auch beim dritten Piloten-Streik innerhalb von zwei Wochen bleibt das große Chaos aus. Trotz mehr als 140 gestrichener Flüge gab es keine langen Schlangen am Münchner Flughafen. Der Lufthansa-Chef will nun die Gangart gegenüber der Gewerkschaft Cockpit verschärfen.
München/Frankfurt – Um kurz nach neun am Morgen ist die Welt für Lufthansa-Passagiere noch in Ordnung – jedenfalls für einige. «Unser Flug geht», sagt Kurt Schromm und strahlt. Er will nach Los Angeles. «Wir sind zur Hochzeit meiner Nichte eingeladen, wir müssen pünktlich sein», erzählt Lebensgefährtin Maria Müller. Einen großen Schrecken haben sie bekommen, als sie von der Streikankündigung der Piloten erfuhren. Glück gehabt: Langstreckenflüge sind am Mittwoch nicht betroffen von den erneuten Arbeitsniederlegungen.
Diesmal trifft es den Münchner Flughafen, das zweitgrößte Lufthansa-Drehkreuz in Deutschland. Mehr als 140 Flüge von und nach München fallen aus. «Extrem ärgerlich» nennt der für München verantwortliche Lufthansa-Manager Thomas Klühr den Ausstand. «Es kann nicht sein, dass Spartengewerkschaften ganze Unternehmen lahmlegen.»
Lahmgelegt ist der Münchner Flughafen an diesem Mittwoch trotz des achtstündigen Streiks nicht. Vor den Lufthansa-Schaltern am Terminal 2 herrscht geordneter Betrieb, weil nur ein Teil der Flüge ausfällt. Offensichtlich sind viele Passagiere auch auf die Bahn umgestiegen.
Der Münchner Hauptbahnhof jedenfalls hat sich mit zusätzlichen Mitarbeitern auf einen Ansturm verhinderter Fluggäste eingestellt. Zu allem Überfluss gibt es am Morgen noch eine S-Bahn-Störung. «Die Leute kamen nicht vom Flughafen weg», sagte der Leiter Vertrieb Bayern der Deutschen Bahn, Klaus Leven. «Da kommt alles zusammen – Murphy’s Law. Aber wir kennen das schon. Als nächstes kommt dann wieder ein Vulkan in Island und Flüge fallen aus.»
Ein 62-jähriger Münchner ist einer der Kunden, die ihr Flugticket per Lufthansa-Gutschein gegen eine Fahrkarte tauschen. Nach Frankfurt will er, doch das dauert heute fünf Stunden länger als geplant. «Und das für einen Termin von zwei Stunden», sagt er entnervt.
Für Lufthansa-Passagiere könnte es nicht der letzte Streik in dieser Tarifrunde gewesen sein. Der Konflikt zwischen der Airline und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) geht in unverminderter Schärfe weiter. Lufthansa-Chef Carsten Spohr steuert einen immer härteren Kurs gegen die Gewerkschaft. In der kommenden Woche will das Unternehmen seine Piloten direkt über die vorgeschlagenen Neuregelungen zur umstrittenen Übergangsversorgung informieren – an der VC vorbei und mit neuen Details, die das Angebot aber eher konkretisieren als verbessern sollen. Das Kalkül dahinter ist es, die bislang recht feste Streikfront aufzuweichen.
Spohr und seine Vorstandskollegen sind überzeugt, sich den aus ihrer Sicht teuren Vorruhestand der Piloten im verschärften internationalen Wettbewerb mit neuen Konkurrenten nicht mehr leisten zu können. Dass VC so hart dagegenhält, hätte er nicht erwartet, bekennt der erst im Mai gestartete neue Lufthansa-Chef.
Am Flughafen München führt der Arbeitskampf jedenfalls zu einigen enttäuschten Gesichtern. «Wir haben so viele Fragen, wie geht es nun weiter», sagt Manoel Queiroz und schüttelt den Kopf. Einen stundenlangen Flug aus Sao Paulo haben er und seine Frau hinter sich, von München wollten sie weiter nach Berlin fliegen. Auf der Anzeigetafel hieß es dann aber: annulliert.
Immerhin: Für einige Beschäftigte am Flughafen hat der Streik am Mittwoch auch gute Seiten: «Für uns ist es weniger Arbeit», sagte ein Airport-Mitarbeiter, der auf dem Rollfeld vor dem Terminal arbeitet. «Ich habe ein Schafkopf-Blatt mitgebracht.»
Andreas Hoenig und Christian Ebner, dpa