Frankfurt/Main (dpa) – Nicoley Baublies kommt normalerweise viel herum. Doch derzeit organisiert der erst seit fünf Monaten amtierende Chef der Kabinengewerkschaft Ufo rund um die Uhr den Streik der Flugbegleiter bei der Lufthansa. Bei Europas größter Fluggesellschaft tobt ein bislang beispielloser Arbeitskampf, den vorher nur wenige den bislang braven Stewards und Stewardessen zugetraut hätten. Baublies […]

Frankfurt/Main (dpa) – Nicoley Baublies kommt normalerweise viel herum. Doch derzeit organisiert der erst seit fünf Monaten amtierende Chef der Kabinengewerkschaft Ufo rund um die Uhr den Streik der Flugbegleiter bei der Lufthansa. Bei Europas größter Fluggesellschaft tobt ein bislang beispielloser Arbeitskampf, den vorher nur wenige den bislang braven Stewards und Stewardessen zugetraut hätten. Baublies spricht von einer Machtprobe des Lufthansa-Chefs Christoph Franz gegen die eigene Belegschaft.

Der frühere IT-Berater kam nach dem Platzen der Internet-Blase zur Lufthansa und hat sich dort in wenigen Jahren zum Purser hochgearbeitet, dem höchsten Posten für Flugbegleiter. Im Alltag fliegt der 39 Jahre alte studierte Anglist Europa und Interkontinental im Wechsel. An dem Job fasziniert ihn die Teamarbeit an Bord: «Das Gefühl, das ist mein Schiff, das kriegen wir zusammen hin.» Die zwangsläufigen Aufenthalte in fremden Städten genießt der Single: «Es gibt kaum was Schöneres, als im November bei 20 Grad in Lissabon am Hafenbecken zu sitzen.» An seinem alten Beruf hat ihn vor allem die viele Schreibtischarbeit gestört.

Zur Gewerkschaftsarbeit ist Baublies gekommen, weil er mit der Arbeit der Betriebsräte unzufrieden war. Mit seiner ruhigen und zugewandten Art konnte er sich zumindest gewerkschaftsintern schnell durchsetzen. Baublies gehörte dabei zu einer Fraktion, die mit Lufthansa einen Kompromiss aushandeln wollte, um sich gegen den Einsatz von Leih-Stewardessen zu schützen. Im Gespräch zeigt Baublies für viele Ziele der Fluggesellschaft durchaus Verständnis, wehrt sich aber entschieden gegen die seiner Meinung nach drohende «Schleckerisierung» der Arbeitsplätze.

Im aktuellen Arbeitskampf muss der Verbindliche eher den Hardliner geben und hat damit bei der Belegschaft den richtigen Ton getroffen: Die Beteiligung an dem ersten Kabinenstreik in der Geschichte der Lufthansa liegt für beide Seiten über den Erwartungen.