Chaos am Flughafen von Mallorca. Eine Passagiermaschine aus Marokko muss wegen eines angeblichen medizinischen Notfalls an Bord zwischenlanden. Aber der Kranke ist gesund und Passagiere laufen auf das Rollfeld und verschwinden in der Nacht.

Auf Mallorca hat die Polizei bis Samstag 12 von 24 Passagieren in Gewahrsam genommen, die am Vorabend eine Zwischenlandung ihrer marokkanischen Passagiermaschine zum Aussteigen genutzt hatten. 21 waren auf die Rollbahn gelaufen und in der Dunkelheit über den Zaun rund um den Flughafen geklettert. Ein Passagier habe im Flugzeug einen spanischen Polizisten geschlagen und sei festgenommen worden, berichtete die «Mallorca Zeitung».

Ein weiterer Passagier, der während des Flugs der Maschine von Casablanca nach Istanbul angeblich einen Diabetesschock erlitten hatte und so die Zwischenlandung in Mallorca erst ausgelöst hatte, wurde festgenommen, nachdem er sich im Krankenhaus als gesund erwiesen hatte, wie die Behörden mitteilten. Sein Begleiter habe sich im Krankenhaus abgesetzt.

Die Behörden schlossen nicht aus, dass es sich um eine geplante Aktion einer Gruppe von Passagieren gehandelt haben könnte, die die Notlandung absichtlich herbeigeführt hätten, um illegal nach Spanien zu kommen. Handfeste Beweise gebe es dafür aber bisher nicht, sagte Aina Calvo von der Delegation der Zentralregierung auf den Balearen. So einen Vorfall habe es ihres Wissens nach noch nie in Spanien gegeben und deshalb seien die Behörden bei der Einschätzung sehr vorsichtig und ermittelten in alle Richtungen, sagte Calvo. Jedes Jahr riskieren Tausende Menschen ihr Leben, um in kleinen Booten von Nordafrika aus über das Mittelmeer nach Spanien zu gelangen.

Der Flughafen Son Sant Juan hatte wegen der Menschen auf dem Rollfeld am Freitagabend für mehr als drei Stunden alle Starts und Landungen stoppen müssen. Bis der Flugbetrieb gegen 23.30 Uhr wieder aufgenommen werden konnte, mussten 27 anfliegende Maschinen zu anderen Flughäfen wie auf Ibiza, in Barcelona oder Valencia umgeleitet werden, 20 Starts verzögerten sich um Stunden. Betroffen waren auch mindestens zwei Flüge aus Deutschland, von denen einer nach Valencia und der andere nach Ibiza umdirigiert wurden, wie die «Mallorca Zeitung» berichtete.

Die aus dem Flugzeug ausgestiegenen Passagiere würden nun so behandelt, wie Migranten, die mit Booten aus Nordafrika angekommen seien, sagte die Polizei der Deutschen Presse-Agentur. Diese werden registriert und kommen in eine Erstaufnahmeeinrichtung, später werden sie auf das spanische Festland gebracht. Dann wird ein Verfahren zur Rückführung in das Herkunftsland eröffnet, das durch einen Antrag auf Asyl oder Gewährung von Schutz als Flüchtling gestoppt werden kann.

Allerdings werde auch ein Verfahren wegen Gefährdung des Flugverkehrs gegen sie eingeleitet. Nur der vermeintlich Kranke müsse zusätzlich mit einem Strafverfahren wegen des Verdachts der Begünstigung illegaler Einreise und Verstoßes gegen das Ausländergesetz rechnen, sagte ein Polizeisprecher. Die betroffene marokkanische Maschine konnte am frühen Samstagmorgen weiter in die Türkei fliegen.

dpa