FS2004 WORLD FLIGHT – Die virtuelle Weltumrundung

München, 19.08.2018

Das Online-Fliegertagebuch – Episode 1

Wir rollen auf die Landebahn 33 und bereiten uns für unseren ersten Abflug vor. Foto: Boger, FS9

Seit dem ersten motorisierten Flug in der Geschichte der Luftfahrt im Jahre 1903 versuchten viele Menschen die Welt auf dem Luftweg zu umrunden. Viele ließen dabei ihr Leben. Doch dutzende Flugpioniere und Luftfahrtbegeisterte schafften die Weltumrundung problemlos.

Dass man heute innerhalb weniger Stunden auf die andere Seite der Erde kommt, ist selbstverständlich. Möglich machen es Passagierflugzeuge, die mit knapp 900 km/h fliegen.

Aber wie verläuft so ein Flug in einer 4-sitzigen Propellermaschine, die eine Reisegeschwindigkeit von ca. 250 km/h hat? Welche Gefahren kommen auf den Piloten zu und wie verhält man sich bei Triebwerkausfall? Diese Fragen wollen wir in einem Selbstversuch beantworten. Mit dem Flight Simulator 9 stellen wir uns der Herausforderung und fliegen mit einer Cessna Centurion C210T um die Welt.

Bevor man den ersten Flug antritt, ist eine monatelange Vorbereitung Voraussetzung. So telefonierten wir mit verschiedenen Flughäfen bzw.-plätzen, um uns über die Öffnungszeiten, Spritpreise und andere Besonderheiten zu erkundigen.

Unser Start-, und gleichzeitig Landeort soll der internationale Flughafen Hamburg sein. Der Plan ist, nach dem Abflug in Richtung Westen zu fliegen. Das erste große Ziel ist Island. Über die Nordsee hinweg wollen wir England überqueren, um danach einen Nord-West-Kurs zu nehmen und in Reykjavik zu landen. Zur Flugplanung gehören folgende Punkte:

-Wetterbriefing: Hier holen wir uns Vorhersagen und wichtige Informationen des lokalen Wetterdienstes ein. Dieses ist insofern wichtig, da wir die meiste Strecke nach Sicht fliegen und bei schlechtem Wetter keinen Flug antreten dürfen.

-Weight and Balance-Berechnung: Dieser Teil der Flugplanung stellt sicher, dass wir nicht überladen sind, genügend Treibstoff an Bord haben und wir genau wissen, wo sich der Schwerpunkt unserer Maschine befindet.

-Vollständige Unterlagen und Dokumente: Da wir verschiedene Länder besuchen werden, ist es von großer Bedeutung, dass wir uns rechtzeitig um alle Einreisedokumente kümmern und die Bestimmungen für eine Einreise mit einem Luftfahrzeug nicht außer Acht lassen.

 
Unsere Maschine wurde im Jahr 1974 gebaut und hat das Rufzeichen (Engl. Callsign) „D-ECSR“. Die Aussprache lautet dementsprechend: „Delta – Echo Charlie Sierra Romeo“. Neben der Flugplanung ist es uns sehr wichtig, dass wir mit einem technisch einwandfreien Flugzeug fliegen. Deshalb brachten wir unsere Sierra Romeo zum einem Luftfahrzeug-technischen Betrieb zu einem Flugplatz, der den Flieger auf Vordermann brachte.

Es geht los!

Der Tag unserer Reise war gekommen. Es ist der 21.07.2018 und wir haben es 06:15 Uhr morgens. Wir kontrollieren unseren Flieger von außen, der sich auf der Parkposition der „General Aviation“ des Hamburger Flughafen befindet und lassen das Triebwerk an. Als wir die Checkliste soweit abgearbeitet haben, setzen wir uns per Funk mit dem Tower in Verbindung und geben ihm alle wichtigen Informationen, die er von uns braucht. Kurz darauf erwidert er mit der Zuweisung der aktiven Startbahn: „D-ECSR, rollen Sie über Rollweg Mike zum Rollhalt der Piste 33“.

An der Landebahn 33 angekommen, bereiten wir uns für den Start vor, indem wir das Abflug-, sowie das Notfallbriefing durchgehen. In der allgemeinen Fliegerei muss man immer mit Notfällen rechnen und deshalb gut darauf vorbereitet sein. Pünktlich um 06:30 Uhr erhalten wir die Starterlaubnis des Towers – Vollgas, Geschwindigkeit aufbauen, Triebwerksinstrumente kontrollieren und bei 65kt (Knoten) abheben. Nun sind wir in der Luft und haben eine positive Steigrate. In diesem Moment fahren wir das Fahrwerk ein. Symbolisch verabschieden wir uns vom Hamburger Flughafen, indem wir mit den Flügeln wackeln. Einige Schaulustige haben sich am grenzenden Zaun der Landebahn versammelt und winken uns zu, um sich von uns zu verabschieden.

Unsere Sierra Romeo kurz nach dem Start. Foto: Boger, FS9

Nachdem wir den Abflugsektor des Flughafens verlassen haben, drehen wir nach links und nehmen einen westlichen Kurs (ca. 273°). Da wir die Maschine nicht vollgeladen haben, kommen wir relativ schnell auf unsere gewünschte Reiseflughöhe. Auf einer Höhe von 14.000ft angekommen, schalten wir den Autopiloten ein und genießen den Anblick des Hamburger Hafens und der Elbe, die sich quer unter unserer Fluglinie erstreckt. Heute haben wir Glück mit dem Wetter, denn es herrscht eine Sichtweite um die 50 km und leichter Wind kommt uns von vorne entgegen. Einige kleine Quellwolken haben sich aufgebaut und befinden sich weit unter uns. Mittlerweile ist der Jadebusen zu sehen und rechts unserer Flugroute ziehen die Städte Cuxhaven und Nordholz (mit dem großen militärischen Flughafen) vorbei. Wir lassen die Nordseeinseln hinter uns und sind nach ca. einer Stunde über dem Ärmelkanal. So langsam ist die englische Süd-Ostküste in Sicht und die groben Züge der Stadt Norwich werden sichtbar. Unsere Navigationsplanung bringt uns direkt über die englische Bucht „The Wash“, die sich schön unter unserem linken Flügel ausbreitet. Diese Bucht ist auch der sogenannte „Top of Descent“, also der Punkt, an dem wir wieder mit dem Sinkflug beginnen, denn von hier sind es noch ca. 200 km Luftlinie bis zu unserer ersten Zwischenlandung.

Unser Zwischenstopp ist der Durham Tees Valley Airport. Ein Verkehrslandeplatz, der im zweiten Weltkrieg von der Royal Air Force eröffnet wurde. Der Flugplatz hat eine 2291m-lange asphaltierte Landebahn. Die Piste ist also lang genug, dass wir notfalls sogar in einem überladenen Zustand landen könnten. Darüber müssen wir uns aber keine Sorgen machen, denn wir haben mittlerweile die Hälfte des Tanks leer geflogen und befinden uns mit unserem Schwerpunkt im grünen Bereich.

Über Funk erbitten wir die Freigabe für das Verlassen der Radarlotsen-Frequenz, um auf die Frequenz des Towers von Durham Tees Valley zu wechseln. Kurz darauf melden wir uns beim Turm und erhalten die Anflugfreigabe auf die Piste 05. Jetzt steigt langsam die Spannung. Unsere erste Landung der Weltumrundung.

10 Meilen vor dem Flughafen beginnen wir mit der Landevorbereitung und arbeiten uns durch die Checkliste. Wir lassen das Fahrwerk ausfahren und schalten die Vergaservorwärmung ein. Nicht zu vergessen sind natürlich die Landelichter. Kurz vor dem Einflug in die Platzrunde gibt uns der Tower die Anweisung, dass wir unsere nächste Positionsmeldung im rechten Queranflug der Piste 05 durchgeben sollen. Wie eine Platzrunde aufgebaut ist und wo sich der rechte Queranflug befindet, können Sie hier nachlesen.

Wir befinden uns kurz vor dem Endanflug auf die Piste 05. Foto: Boger, FS9

Nun befinden wir uns im Endanflug, ca. 2 nautische Meilen von der Landebahn entfernt und sehen schon die Pistenbeleuchtung. Die Landeklappen sind voll ausgefahren und wir konzentrieren uns voll und ganz auf die Landung. Der Landeanflug verläuft aufgrund von mäßigen Böen ein wenig holprig. Mit etwa 60kt setzen wir nach einer Flugzeit von genau 2:13h sanft auf der Landebahn auf und verlassen diese über den Rollweg (Taxiway) Bravo.

Über Funk hören wir die Anweisung „D-ECSR, taxi via Bravo to Eastern Apron“, was so viel bedeutet, wie „D-ECSR, rollen sie über den Rollweg Bravo zur östlichen Abstellfläche“. Diese Anweisung kommt uns sehr gelegen, denn auf der östlichen Abstellfläche befindet sich auch die Tankstelle. Für den nächsten Flug brauchen wir auf jeden Fall jede Menge Sprit.

Nach Abstellen des Propellers betreten wir erleichtert englischen Boden und bereiten unsere Sierra Romeo für den nächsten Flug vor: Auftanken, Ölstand prüfen und einen wetterfesten Überzug über den Rumpf ziehen. Wir wollen nämlich zwei bis drei Tage die englische Kultur erkunden und deshalb sollte unser Flieger gut geschützt sein. Zu guter Letzt befestigen wir die Cessna Centurion mit Seilen an zwei Haken, die im Boden verankert sind, damit sie bei starkem Wind nicht umgeblasen und beschädigt wird.

Bei unserem nächsten Flug geht es zunächst auf die Färöer Inseln, um dort nochmal zwischenzulanden und die Maschine vollzutanken. Danach haben wir die erste große Hürde vor uns: Die Überquerung des Atlantiks mit dem Ziel in Reykjavik zu landen.

Doch bis dahin genießen wir den englischen Lifestyle und besuchen die nah gelegene Hafenstadt Middlesbrough. Wir hoffen, dass Sie bei unserem nächsten Flug dabei sind!

Bis zum nächsten Mal.

 

Boger, Aeroscope

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