Lästig, aber unvermeidbar - Fallstricke im Visa-Dschungel

Berlin, 08. Februar 2018

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Am Visum führt bei Reisen in fremde Länder manchmal kein Weg vorbei. Immer öfter gibt es die Einreisegenehmigungen nur elektronisch. Meist können Touristen sich das Visum selbst beschaffen. Notfalls gibt es auch Hilfe von Profis.

Wer einen deutschen Reisepass besitzt, hat Glück. Denn er kann derzeit in 177 Länder reisen, ohne ein Visum beantragen zu müssen. Das ist Weltrekord. Singapur rangiert einer Aufstellung des Londoner Beratungsunternehmens Henley & Partners zufolge auf Platz zwei (176 Länder). Am mühsamsten reist man mit Pässen aus Pakistan, Syrien, dem Irak und Afghanistan: Visafreies Reisen ist dann nur in 30 oder weniger Länder möglich.

Die Firma Henley & Partners muss es wissen: Sie befasst sich mit "Staatsbürgerschafts-Planung" vor allem für reiche Kunden, die sich einen Pass gerne auch etwas kosten lassen, beispielsweise eine Investition im EU-Staat Malta. Denn ein Visum - also die Erlaubnis, in ein fremdes Land einreisen zu dürfen - ist in vielen Fällen lästig: Oft ist der entsprechende Stempel oder Einkleber im Pass nur nach Überwindung bürokratischer Hürden zu bekommen.

"Über die Jahre hinweg ist es etwas komplizierter geworden", sagt Katrin Heinzel von der Visum-Agentur Servisum in Berlin. Agenturen wie ihre beschaffen Visa, ganz besonders in etwas schwierigeren Fällen. Doch meist geht alles recht einfach und ohne fremde Hilfe.

Wer als Tourist in ein ihm unbekanntes Land reist, tut gut daran, sich zunächst beim Reisebüro oder auf den Webseiten der jeweiligen Botschaften über die Visafrage zu informieren. Auch die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes geben Auskunft über die Einreisevorschriften für deutsche Staatsbürger.

Dann sollte man den eigenen Pass anschauen: Der sollte noch mindestens sechs Monate nach der Einreise gültig sein und wenigstens zwei freie Seite enthalten. Das ist eine gängige Voraussetzung für ein Visum. Außerdem kann ein Passfoto nötig sein, beispielsweise digital im JPG-Format für ein per Internet beantragtes Visum.

Viele Staaten haben die Visaerteilung digitalisiert. Das ist vor allem für jene Menschen eine gute Nachricht, die weit entfernt von Botschaft oder Konsulat ihres Reiselandes leben. Und für jene, die schon immer ein schlechtes Gefühl dabei hatten, ihren Pass der Post anzuvertrauen.

Der elektronische Visumantrag ist im Regelfall einfach gestellt. Voraussetzung ist, dass man weiß, wie man Dateien hochlädt, meist ein Foto sowie eine Kopie der Seiten des Reisepasses mit den Angaben zur Person. Und in vielen Fällen sind Englischkenntnisse erforderlich. "Vor allem die ältere Generation tut sich da oft schwer", sagt Heinzel. "Und manche haben auch Angst, persönliche Daten dem Internet anzuvertrauen." Allerdings nimmt die Zahl jener Länder, die nur noch online ausgefüllte Anträge bearbeiten, ständig zu.

Ist das Antragsformular ausgefüllt, wird eine Gebühr fällig, die meist per Kreditkarte bezahlt wird. Anschließend kommt per E-Mail die Bestätigung für das Visum, oft ein Papier zum Ausdrucken, auf dem ein Code vermerkt ist. Wird dieses Papier samt Code und Reisepass zum Beispiel nach der Ankunft auf einem Flughafen in Indien vorzeigt, dann sieht der Beamte auf seinem Bildschirm, dass der Besucher ein Visum hat. Damit steht dem Einreisestempel im Pass nichts mehr im Wege.

So funktioniert beispielsweise auch die Esta-Einreisegenehmigung für die USA. Bei ihr handelt es sich offiziell nicht um ein Visum - auch wenn es sich wie ein Visum anfühlt.

In anderen Ländern gibt es Möglichkeiten zur elektronischen Antragstellung, die aber später unvermeidlich zu einem Rendezvous mit einem Konsularbeamten einer Botschaft führen. Und viele andere Länder - Deutschland gehört dazu - bieten zwar Antragsformulare zum Download im Internet an. Der ausgedruckte Papier-Antrag selbst muss aber immer in einer deutschen Vertretung im Ausland eingereicht werden.

Und es gibt Länder, in denen das Visum nicht viel mehr als eine Art Eintrittsgebühr für das Land ist: Für Kenia beispielsweise kann man das Visum entweder online beantragen oder nach Ankunft auf dem Flughafen kaufen (Visa on arrival) - eine reine Formalie.

Bei Online-Anträgen lauern Abzocker, die mit offiziell anmutenden Webseiten die Anträge ohne zusätzliche Leistung über die eigene Adresse umleiten und dafür Geld verlangen. Am Flughafen sind passende Euro oder Dollar wichtig: Wechselgeld gibt es dort nicht.

Wer im Ausland arbeiten, studieren oder sich ärztlich behandeln lassen will, muss mit der Forderung nach zusätzlichen Dokumenten, längeren Entscheidungsverfahren und Rückfragen rechnen.

Und noch etwas hat sich geändert. Früher ging man mit seinem Pass zur Konsularabteilung einer Botschaft, füllte ein Antragspapier aus und wartete dann auf den Stempel im Pass. Inzwischen haben auch viele große Reiseländer die Antragstellung für Visa an Vertragsunternehmen vergeben. Ohne ein elektronisch ausgefülltes Formular läuft hier nichts. Deutsche Touristen, die nach China reisen wollen, müssen sich zum Beispiel an eine offizielle Visaagentur wenden.

Eine Fülle von Visa-Agenturen steht auch in Deutschland bereit, um bei der Visabeschaffung zu helfen - für durchaus unterschiedliche Preise. Ihre Kunden sind vor allem Geschäftsleute oder auch Mechaniker, die möglichst sofort irgendwohin reisen müssen. Oder Kreuzfahrtreisende, für die gleich mehrere Visa besorgt werden müssen.

Anträge, die über Agenturen gestellt werden, werden gelegentlich schneller bearbeitet als andere, sagt Heinzel: "Schon deswegen, weil die von Agenturen ausgefüllten Formulare keine Fragen offenlassen." Außerdem habe man über lange Zeit Kontakte zu Botschaften und Konsulaten entwickelt. Der wichtigste Rat sei einfach: Sich so gut wie möglich zu informieren. "Denn die Vorschriften ändern sich ständig."

dpa

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