Vereisung – Die langsam eintretende Lebensgefahr

München, 21.11.2016

Enteisung vor dem Flug ist enorm wichtig. Bild: Deutsche Lufthansa

Eine Vereisung tritt nicht plötzlich auf. Sie entsteht langsam, kann aber gefährliche Folgen mit sich ziehen.

Wie entsteht Vereisung?

Damit Vereisung überhaupt entstehen kann, müssen mehrere Faktoren gleichzeitig gegeben sein. Diese hängen von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und den Wolken- und Niederschlagsarten ab. Vereisung tritt auf, wenn unterkühlte Wassertröpfchen am Flugzeug anfrieren. Der Eisansatz bildet sich meistens an den im Luftstrom liegenden Bauteilen des Flugzeugs (Propeller, Vorderkante des Flügels, etc.). 

 

Foto: Airbus A330 nach der Enteisung, Pexels

Airbus A330 nach der Enteisung. Foto: Pexels

 

Welche Arten von Vereisung gibt es?

Klareis: bildet sich, wenn große Wassertröpfchen auf das Luftfahrzeug treffen. Die großen Tropfen sind beim Kontakt mit dem Flugzeugbauteil oft noch warm, sodass ein kleiner Teil zur Ober- und Unterseite abfließt und erst dann gefriert. Daraus entsteht ein glasiges hornähnliches Eisgebilde.

Raueis: entsteht, wenn sich kleinere Wolkentröpfchen am Flugzeug festsetzen. Es hat ein weißliches Aussehen und wächst nach vorne in Flugrichtung an.

Mischeis: ist eine Kombination aus Klar-und Raueis. Diese Art von Vereisung entsteht im Temperaturbereich zwischen ca. -8°C und -15°C.

Reif, Raureif: diese Art der Vereisung entsteht meistens nachts durch Sublimation. Das am Boden stehende Flugzeug wird von einer leichten Eisschicht bedeckt, die durch den kristallisierenden Wasserdampf entsteht. Reif kann aber auch in der Luft vorkommen. Hierfür muss die Außenhaut des Fliegers unterkühlt sein und durch eine Luftschicht mit positiven Temperaturen durchfliegen. Diese Situation ist besonders für VFR-Flieger gefährlich, da sich die Fenster mit einer Reifschicht bedecken können.

klareis am Zweig
Klareis an einem Zweig. Foto: Pexels

Welche Gefahren entstehen durch Vereisung?
- Ruder- und Steuerelemente können einfrieren
- Erhöhung der Überziehgeschwindigkeit
- Verlust des Auftriebs
- Stabilitätsverlust
- Widerstand und Gewicht nehmen zu
- Sichtrückgang

Welche Gegenmaßnahmen gibt es?
Große Passagiermaschinen werden vor dem Abflug mit einer Enteisungsflüssigkeit, die aus einem Alkohol-Salz-Gemisch besteht, überdeckt, um so der Enteisung während des Abflugs zu entgehen. Ist der Flieger in der Luft, werden die empfindlichen Stellen mit der warmen, aus der Turbine zugeführten, Luft warm gehalten.

Aber auch kleine Propellermaschinen sind in der Lage Eisansatz zu verhindern. So gibt es bei einigen Luftfahrzeugmustern die sogenannten Anti-Ice-Boots. Diese befinden sich im vorderen Teil des Flügels und können aufgeblasen werden. Sinnvoll ist das Aktivieren dieser Boots erst, wenn sich schon eine Eisschicht gebildet hat, denn ein wiederholtes Aufblasen ist nicht möglich.
Des Weiteren haben einige Kleinflugzeuge ein System, welches eine Enteisungsflüssigkeit aus feinen Öffnungen im Vorderflügel ausströmen lässt und so die Vereisung stoppt.

Eine gute Flugvorbereitung ist jedoch der sicherste Weg, um nicht Opfer einer Vereisung zu werden. So ist beispielsweise die Kenntnis über die Nullgradgrenze von Vorteil. Auch die allgemeinen Wetterbedingungen können viel über die mögliche Vereisung vorhersagen. Wenn also der Pilot weiß, dass die Wahrscheinlichkeit einer Vereisung vorliegt, sollte dieser  lieber einen Flug unterlassen.

Quelle: Boger, Aeroscope, AOPA

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