Endlich Ruhe am Flughafen? Airbus stellt Elektroflugzeug vor

25.04.2014

Der schnelle «E-Fan» soll bald als Schulungsflugzeug für Nachwuchspiloten eingesetzt werden. Bild: Airbus Group

Die Lärmbelastung für Flughafenanwohner ist eine der großen Schattenseiten der Luftfahrt. Airbus präsentiert jetzt nach ersten Testflügen ein kleines Elektroflugzeug. An ihm soll Technologie erprobt werden, die auch Regionalflieger leiser machen könnte.

Bordeaux - Kommt nach dem Elektroauto nun auch das Elektroflugzeug? Der europäische Airbus-Konzern hat am Freitag in Frankreich eine kleine Propellermaschine präsentiert, die ausschließlich mit Energie aus Batterien fliegt. Wenige Woche nach dem erfolgreichen Jungfernflug sind die Hoffnungen groß, dass die bis zu 220 Stundenkilometer schnelle «E-Fan» bald als Schulungsflugzeug für Nachwuchspiloten eingesetzt werden kann. Bereits 2017 soll der knapp sieben Meter lange Zweisitzer in einem neuen Werk in Bordeaux in Serienproduktion gehen. In Berlin wird der Testflieger in wenigen Wochen erwartet.

Zum ganz großen Durchbruch als neue Antriebstechnologie für Flugzeuge wird die «E-Fan» dem Elektromotor allerdings vermutlich nicht verhelfen. Sie bringt dank leichter Werkstoffe gerade einmal 500 Kilogramm auf die Waage und bleibt nicht länger als eine Stunde in der Luft. Zum Vergleich: Der Großraumflieger A380 ist mit rund 275 Tonnen etwa 550 Mal so schwer wie die «E-Fan». Und von ihm wird erwartet, dass er rund 15 000 Kilometer weit fliegt.

Dennoch könnten die Arbeiten an der «E-Fan» zukunftsweisend sein. Airbus kann sich vorstellen, mittelfristig kleinere Regionalflugzeuge mit Hybrid-Antrieben auszustatten. Ein elektrischer Antrieb könnte dabei die Lärm- und Abgasemission beim Start gegen Null reduzieren. In großen Höhen, wo der Lärm keine Anwohner mehr stört, würde dann ein herkömmliches Düsentriebwerk zum Einsatz kommen. Das «E-Fan»-Projekt werde langfristig zu einer wirtschaftlicheren und effizienteren Flugzeugtechnologie führen, kommentierte Airbus-Group-Cheftechniker Jean Botti am Freitag.

Die Luftfahrtindustrie hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 deutlich sauberer zu werden. Eine sogenannte «Roadmap» strebt unter anderem eine Reduktion der CO2-Emissionen von Flugzeugen um 75 Prozent und des Geräuschpegels um 65 Prozent an - verglichen mit den Werten des Jahres 2000. Bereits seit längerem erproben Airbus und der US-Rivale Boeing Bio-Treibstoffe. Sie gelten derzeit als eine der effizientesten Möglichkeiten, die CO2-Bilanz der Luftfahrt zu verbessern.

In Deutschland soll die «E-Fan» im Mai bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin präsentiert werden. Was mit Elektroantrieben in Luft möglich ist, hatte zuletzt auch der Flugpionier Bertrand Piccard gezeigt. Er und sein Partner André Borschberg legten 2013 mit einem Solarflieger rund 5000 Kilometer von San Francisco nach New York in mehreren Tagesetappen zurück. Dabei reisten sie zwar nur mit etwa 50 Stundenkilometer - aber ohne einen Tropfen Benzin. Die vier Zehn-PS-Motoren unter den Flügeln wurden allein durch Solarzellen angetrieben. Im kommenden Jahr will Piccard mit einer Weiterentwicklung des Flugzeuges zu einer Erdumrundung aufbrechen. (Ansgar Haase, dpa)

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