Im Sommer wird es an den deutschen Flughäfen richtig eng Von Christian Ebner, dpa

Weil immer mehr Menschen ihren Urlaubsort per Flugzeug erreichen wollen, herrscht an den Flughäfen im Sommer drangvolle Enge. Ein Teil der Probleme in den Terminals ist aber auch hausgemacht.

Frankfurt/Main (dpa) - Die schönsten Wochen des Jahres beginnen für viele Bundesbürger mit reichlich Stress und Ärger. Slogans wie «Der Urlaub beginnt am Flughafen» müssen sich wie blanker Hohn anhören, wenn man beispielsweise am größten deutschen Drehkreuz in Frankfurt in scheinbar endlosen Schlangen darauf wartet, abgetastet und durchleuchtet zu werden. «Das ist alles andere als Premium», schimpfte vor Wochen Lufthansa-Chef Carsten Spohr und machte auf Probleme aufmerksam, die sich im Sommer auch an anderen Flughäfen wie Düsseldorf oder Berlin-Tegel verschärfen werden.

Unmittelbar vor Beginn der Sommerferien - den Anfang machen Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland am 25. Juni - ermahnen Airlines und Flughafenbetreiber die Passagiere, bis zu drei Stunden vor Abflug zu erscheinen, wenn sie ihren Flug nicht verpassen wollen. Ein besonders enger Flaschenhals bei weiter steigenden Flug- und Passagierzahlen sind die umständlichen Personenkontrollen, die immer noch nach Mechanismen und Verfahren wie vor 50 Jahren ablaufen, wie das «Handelsblatt» unlängst kritisierte.

Dass angesichts der Terrorgefahr streng kontrolliert werden muss, ist noch Konsens zwischen den beteiligten Unternehmen und Behörden, über das Wie wird dafür heftig gestritten. Die Frankfurter Kontrollstellen schaffen mit 80 Passagieren in der Stunde nicht einmal die Hälfte der Einrichtungen in Amsterdam, Madrid oder Brüssel, schimpft der dortige Flughafenchef Stefan Schulte. Niemand könne einen besonders umständlichen Passagier in der Kontrollstelle überholen, begehbare Metalldetektoren fehlten.

Dabei scheint auch ohne Vorbilder aus dem Ausland längst klar, wie es besser laufen könnte. «Mit 'Easy Security' konnte gezeigt werden, welche enormen Verbesserungspotenziale bei den Luftsicherheitskontrollen bestehen», jubelte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow, nach einem Modellversuch am Flughafen Köln/Bonn. Kurioserweise sind die dortigen Kontrolllinien mit einer belegten Stundenleistung von mehr als 200 Passagieren zwischenzeitlich wieder abgebaut worden.

Unter besonderer Beobachtung steht der drittgrößte deutsche Flughafen in Düsseldorf, wo es 2017 wegen überlanger Wartezeiten zu Handgreiflichkeiten zwischen den Passagieren gekommen ist. Die vom Bundesbeschaffungsamt noch bis Ende 2020 beauftragte Sicherheitsfirma Kötter hatte damals massive Probleme, genug ausgebildetes Personal an die Kontrollen zu stellen, hat für dieses Jahr aber Besserung gelobt. Man werde 180 Leute mehr zur Verfügung haben, verspricht Kötter-Chef Peter Lange. «Ich bin zuversichtlich, dass wir den anstehenden Sommerferienverkehr genauso erfolgreich meistern werden wie die zurückliegenden Oster- und Pfingstferien, als wir die Passagiere zügig und sicher kontrolliert haben.»

Die Gewerkschaft Verdi ist weiterhin skeptisch und stört sich daran, dass Kötter Beschäftigte von vier Subunternehmen einsetzen will. Das widerspreche der Ausschreibung, kritisiert Verdi-Sekretär Özay Tarim. Er habe große Zweifel, dass Kötter heil durch den Sommer kommt. Die Beschäftigten litten an der viel zu dünnen Personalausstattung, ein hoher Krankenstand sei Zeichen permanenter Überlastung und auch die firmeneigene Akademie bilde nicht ausreichend neue Kräfte aus.

Die großen Flughäfen glauben, die Abläufe in den Terminals selbst besser organisieren zu können als bislang die Behörden. Tatsächlich sind die verschiedenen Kontrollen an den deutschen Flughäfen mehr als umständlich organisiert. So gibt es zum Beispiel unterschiedliche juristische Anforderungen an die «Luftsicherheitsassistenten», je nachdem ob sie Passagiere, das Flughafenpersonal oder Gepäck überwachen. Neben den Bundesbehörden mischen auch die Länder mit, letztlich gehen aber die Kontrollaufträge an die immer gleichen privaten Dienstleister.

Denen will Fraport-Chef Schulte bessere Leistungen abfordern: «Wir möchten die Prozesse ändern, um die Abläufe flexibler zu gestalten und zu beschleunigen. Wir möchten in den Verträgen mit Dienstleistern Leistungsanreize setzen. Und wir möchten modernste Technik schneller beschaffen können.» Die Verbände von Airlines und Flughäfen setzen auf das Vorhaben der großen Koalition in Berlin, die Zuständigkeiten der Akteure bei der Luftsicherheit in dieser Legislatur zu überprüfen. Die Bundespolizei hat bereits begrüßt, von administrativen Aufgaben entlastet zu werden und nur noch die behördliche Fachaufsicht führen zu können.

Die Sicherheitsunternehmen sehen sich aber durchaus selbst in der Lage, die Prozesse zu steuern, wie der Präsident des Bundesverbandes der Luftsicherheitsunternehmen, Udo Hansen, erklärt. Die aktuellen Probleme erklärt er mit mangelnden Platz und falschen Personalanforderungen durch die Bundespolizei. Der Verband hält auch insbesondere die kleinen Flughäfen nicht für fähig, diese Aufgabe zu meistern. Die Sache müsse allerdings einheitlich geregelt werden, verlangt eine BDLS-Sprecherin. Ein neuer Flickenteppich bei den Zuständigkeiten helfe niemandem.

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