Einfach abheben: Was die besten Flughäfen der Welt ausmacht

München, 15. Dezember 2016

Foto: Flughafen Muenchen GmbH

Eigentlich geht es nur ums Abfliegen und Ankommen. Dennoch fühlen sich Passagiere an manchen Airports wohler als an anderen. Was unterscheidet die besten Flughäfen vom Rest? Ein Erklärungsversuch.

Warteschlangen am Check-in und an der Sicherheitskontrolle, endlos lange Gänge, unbequeme Sitze in der Abflughalle, aber auch Schnäppchen im Dutyfree-Shop und kribbelnde Vorfreude auf die Reise: Viele haben ein ambivalentes Verhältnis zu Flughäfen.

Manche Airports scheinen Flugpassagiere allerdings mehrheitlich besser zu finden als andere. Das britische Luftfahrtinstitut Skytrax kürt jedes Jahr die weltbesten Airports und befragt dafür nach eigenen Angaben Millionen von Airline-Kunden. 2016 lag in dem Skytrax-Ranking zum wiederholten Mal der Airport Singapur-Changi ganz vorne, gefolgt von Seoul-Incheon in Südkorea. Dritter wurde der Flughafen München.

Skytrax befragt die Passagiere zu fast 40 Aspekten, angefangen von der Verkehrsanbindung des Airports bis hin zu den Sprachkentnissen des Airportpersonals. Die Erhebung ist kleinteilig und stark auf Komfort und Service ausgelegt. Sie allein gibt damit noch keine Antwort darauf, was einen guten Flughafen ausmacht.

Mehr weiß Lara Frommberg. Sie ist Chefredakteurin der Fachzeitschrift "Aerotelegraph" - und eine Vielfliegerin. Dennoch sagt sie gleich vorweg: Was einen Flughafen gut macht, sei sehr subjektiv. Ein paar belastbare Punkte gibt es trotzdem.

Flughäfen erfüllen den Zweck, Reisende von dort aus an ihr Ziel zu befördern. Je mehr Orte von einem Airport aus angeflogen werden, desto besser ist das. Die Anzahl der Destinationen habe natürlich Auswirkungen auf die Airport-Qualität, sagt Frommberg. "Im Zweifel entscheidet man sich für den Größeren."

Einen besonderen Vorteil haben Flughäfen, an denen Airlines eine Basis mit vielen Flugzeugen haben. Im Fachjargon werden sie "Hubs" genannt. Von dort aus fliegen die Airlines viele Ziele an. Aber sie fliegen den Flughafen auch von vielen anderen Orten aus an. Damit wird er zum Drehkreuz, das oft für Reisende nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu ihrem eigentlichen Ziel ist. Beispiele für Hubs sind etwa Zürich, die Basis von Swissair, oder London-Heathrow, die Basis von British Airways.

"Von London kann man fast überall hinfliegen", sagt Frommberg. Der Klassiker ist aber, mit Zwischenlandung in Heathrow weiter zu einem Flughafen in den USA zu fliegen. Vom Airport Hongkong geht es zu mehr als 40 Flughäfen in China, während Singapur ein typischer Stop-over ist, wenn es von Europa nach Australien geht.

Durchreisende schätzen es, wenn sie sich die Wartezeit auf den nächsten Flug vertreiben können. Manche Airports bieten ihnen dafür eine Menge Möglichkeiten: In München gibt es das "Airbräu", einen überdachten Biergarten mit eigener Brauerei. Hongkong bietet seinen Fluggästen ein Kino, im Terminal 5 von London-Heathrow gibt es mehr als 50 Geschäfte zum Shoppen. In Sachen Entertainment ganz vorne dabei ist Singapur-Changi. Auszug der Extravaganzen: Drei Spas, zwei Kinos (24 Stunden offen), eine Dachterrasse mit über 100 Kaktusarten. "Der Flughafen ist selbst zu einer Mini-Destination geworden2, sagt Frommberg.

Viele Flugziele und ein bisschen Spaß sind aber noch lange nicht alles. Ein guter Airport muss auch funktionieren. Das kann Thomas Jahn nur bestätigen. Der Lufthansa-Kapitän fliegt seit 1989 und hat schon fast drei Jahre seines Lebens in der Luft verbracht. Manches hat er zu schätzen gelernt, kurze Wege zum Beispiel. «Vom Check-in zu den Flugzeugen, aber ebenso beim Umsteigen.» Außerdem sei Schnelligkeit wichtig. Die Abfertigung beim Check-in sollte rasch gehen, ebenso die Sicherheitskontrolle und die Passkontrolle bei der Einreise.

"Die Wartezeiten sollten gering sein", bestätigt Frommberg. In Zürich, ihrem Heimatflughafen, sei das zum Beispiel gut gelöst. Da müsse man kaum warten. "Die längste Wartezeit, die ich dort einmal an der Sicherheitskontrolle hatte, waren 15 Minuten." Wenn Flughäfen schnell wachsen, auf die steigenden Passagierzahlen jedoch nicht vorbereitet sind und Personal oder schlichtweg Platz fehlt, gibt es oft Probleme mit den Wartezeiten.

Kapitän Jahn sieht die Qualität von Flughäfen natürlich auch aus Pilotensicht. Er schätzt unter anderem unkomplizierte Anflugverfahren, gut markierte Rollwege sowie schnelles Be- und Entladen der Maschine.

Besonders ärgerlich ist es, wenn nach einem Flug Koffer für Koffer auf dem Gepäckband vorbeiziehen - nur der eigene nicht. Dann müssen sich Reisende meist tagelang gedulden, bis der Koffer nachgeschickt wird. Wenn er überhaupt wieder auftaucht. Das Risiko, ohne Koffer zu landen, ist bei Abflügen von japanischen Airports am geringsten. An Flughäfen wie Tokio-Haneda, Osaka-Kansai oder Centrair in der Nähe von Nagoya gehe eigentlich nie Gepäck verloren, sagt Frommberg.

Neben all diesen praktischen Aspekten zählt für Frommberg bei Flughäfen noch etwas anderes: die Atmosphäre. Schmale, enge Gänge sorgen für Beklemmung statt Reiselust. Gerade ältere Flughäfen sind oft eher dunkel, als Beispiel nennt sie Berlin-Tegel. Tageslicht ist bei der Planung neuer Terminals viel wichtiger geworden. Das Vorfeld und die Flugzeuge sind dort zu sehen. "Man muss hereinkommen und sich direkt wohl und in Reisestimmung versetzt fühlen", findet sie.

München etwa ist architektonisch gelungen, findet Frommberg. Der Airport vermittele ein Gefühl von Weite. Kapitän Jahn hat in München seine Basis und ist bei der Bewertung des Flughafens damit nicht ganz unvoreingenommen. Der sei der Beste der Welt, findet er. Einen Aspekt schätzt Jahn besonders: die Supermärkte in beiden Terminals.

Tom Nebe, dpa

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