Saarbrücker Flughafen wird ferngesteuert

Saarbrücken/Leipzig, 04. Dezember 2018

Foto: Youtube

Die Fluglotsen sitzen nun mehr als 400 Kilometer entfernt, im Saarbrücker Tower gehen in Kürze die Lichter aus. Weitere Flughäfen sollen folgen.

Der Flughafen Saarbrücken wird als erster internationaler Flughafen in Deutschland nicht mehr vom örtlichen Tower aus überwacht. Fluglotsen in Leipzig geben seit Dienstag die Anweisungen für Starts und Landungen an dem Flughafen im Saarland, wie ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS) sagte. Sie nutzen dazu Video- und Infrarotkameras im rund 440 Kilometer entfernten Saarbrücken.

Bei der Sicherheit gibt es nach DFS-Angaben keine Abstriche. Die Infrarottechnik gewähre den Lotsen nachts oder bei Nebel sogar bessere Sicht. Das System könne Bewegungen außerdem automatisch erkennen und verfolgen.

«Für kleinere Flughäfen ist das die Zukunft», sagte der DFS-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Die Flugsicherung erwartet, dass sie durch das System ihr Personal effizienter und flexibler einsetzen kann. Das soll Kosten senken und die Produktivität erhöhen.

Im nächsten Jahr soll Erfurt angeschlossen werden, dann Dresden. Dann würden die drei kleinsten internationalen Flughäfen Deutschlands ferngesteuert.

Der Flughafen Saarbrücken zählte im vergangenen Jahr rund 400 000 Passagiere bei knapp 11 000 Starts und Landungen. Nach Angaben der DFS ist es der weltweit größte Flughafen, der im täglichen Betrieb fernüberwacht wird.

Der Start des Konzepts «Remote Tower Control» war lange vorbereitet worden, die Kameratests begannen vor vier Jahren. Im Tower in Saarbrücken bleibt nach DFS-Angaben noch vier Wochen ein Lotse, um bei Problemen mit dem neuen System einzugreifen. Dann bleibe die Kanzel leer. Zehn Saarbrücker Lotsen seien nach Leipzig gewechselt, zwei in die Altersteilzeit.

Das Bundesunternehmen Deutsche Flugsicherung hat das System mit dem österreichischen Technikanbieter Frequentis AG entwickelt. Ihr Gemeinschaftsunternehmen Frequentis DFS Aerosense soll die Fernsteuerung weltweit vermarkten.

dpa

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